Islamismus

Innenminister Friedrich warnt vor radikal-islamischen Salafisten

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat vor der Ausbreitung der radikal-islamischen Bewegung der Salafisten in Deutschland gewarnt. "Salafisten streben eine völlige Umgestaltung des Staates, der Gesellschaft und unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung an", sagte Friedrich der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Deswegen müsse die Sicherheitspartnerschaft zwischen muslimischen Verbänden und Behörden weiter verstärkt werden.

Auch ein ranghoher Sicherheitsbeamter sagte dem Blatt: "Der Salafismus in Deutschland nimmt sprunghaft zu." So gebe es in Deutschland bereits 2500 Anhänger. Etwa 100 von ihnen betrieben aktive Missionsarbeit, die vor allen Dingen bei Jugendlichen erfolgreich sei. Die fundamentalistische Ideologie sei "der ideale Nährboden für eine weitere Radikalisierung", die auch zu Gewalt und terroristischen Anschlägen führen könnte.

Die Ausbreitung der Bewegung wird nach Beobachtung von Verfassungsschützern wesentlich durch Kräfte in Saudi-Arabien unterstützt. "Die salafistische Bewegung in Deutschland wäre ohne den saudischen Einfluss niemals so groß geworden", sagte Benno Köpfer vom baden-württembergischen Verfassungsschutz der Zeitung. Missionsbüros, Islamseminare, Info-Tische und die Verbreitung kostenloser Literatur seien laut Köpfer nur möglich durch die finanzielle und logistische Unterstützung aus dem arabischen Land. Sein Fazit: "Saudi-Arabien gibt dafür sehr viel Geld aus."

Der Salafismus ist eine fundamentalistische Glaubensform des Islam, die das staatliche, gesellschaftliche und persönliche Leben allein nach den Prinzipien des Korans und den vermeintlichen Vorstellungen der islamischen Frühzeit ausrichten will. Die Salafisten lehnen auch die sunnitisch-orthodoxe Theologie und die islamischen Rechtsschulen ab, weil sie unzulässige Neuerungen in den Islam gebracht und zur Spaltung der Muslime beigetragen hätten. Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts hatte Friedrich am vergangenen Freitag nicht ausgeschlossen, in diesem Bereich weitere Vereinsverbote zu verhängen. Insgesamt steigt die Zahl der Islamisten in Deutschland laut Verfassungsschutzbericht 2010 weiter an. Friedrich verwies bei der Vorstellung des Berichts in Berlin zugleich auf die anhaltende Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus. Auch nach dem Tod von Al-Qaida-Anführer Osama Bin Laden habe sich hieran nichts geändert.

Laut Verfassungsschutz gab es Ende 2010 bundesweit 29 aktive islamistische Organisationen mit rund 37 470 Mitgliedern. Dies bedeutet einen Zuwachs um 2700 Personen in den vergangenen zwei Jahren. Friedrich wies besonders auf die am schnellsten wachsende Gruppe der Salafisten hin.

Nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm gehörten bislang fast alle islamischen Terroristen in Deutschland dieser Gruppe an oder hatten Kontakt zu ihr. Auch der Tod zweier US-Soldaten am 2. März 2011 sei das Werk eines im Internet radikalisierten salafistischen Einzeltäters gewesen, so Fromm. Die Organisation der Salafisten rekrutiert nach den bisherigen Erkenntnissen des Verfassungsschutzes vor allem begeisterungsfähige Jugendliche über das Internet. Nach Fromms Worten befürworten aber nicht alle islamistischen Gruppen Gewalt. Es gebe auch Gruppierungen, die versuchten, auf politischem Weg Freiräume für ein mit der Scharia konformes Leben zu schaffen. "Auf diese Weise können sie zur Entstehung von Parallelgesellschaften beitragen und Radikalisierungsprozesse initiieren", heißt es in dem Bericht. Fromm nannte beispielhaft die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG) als mitgliederstärkste sowie die "Islamische Gemeinschaft in Deutschland" (IGD) als Gruppe von Anhängern der Muslimbruderschaft. Fundamentalismus wird nach Ansicht des Religionspädagogen Rauf Ceylan aber auch nicht durch islamische Theologie enden. Solche Gruppierungen werde es ähnlich wie evangelikale oder rechtsextreme Vereinigungen immer geben, so Ceylan. Dennoch müssten sich Imame mehr für die Lebenswirklichkeit junger Muslime in Deutschland interessieren. Gerade die deutsche Sprache sei sehr wichtig, um die Jugendlichen zu erreichen.

"Wir haben das Spielfeld den Salafisten überlassen", so Ceylan. Die Prediger dieser fundamentalistischen Bewegung sprächen Deutsch und seien näher an der Lebenspraxis ihrer jugendlichen Zuhörer. Zudem nutzten sie das Internet und reduzierten den Koran auf einfache Formeln. "Offenbar kann der etablierte Islam, der Mainstream, hier nichts entgegnen."