Freiwillige

Die Armee setzt auf neue Medien und alte Tugenden

Heute in einer Woche wird die Bundeswehr eine historische Zäsur erleben: Vom nächsten Freitag an ist sie endgültig eine Freiwilligenarmee, die Wehrpflicht offiziell ausgesetzt.

Zogen bisher noch rund 50 000 junge Männer automatisch in die Kasernen ein, so muss die Bundeswehr bald selbst zusehen, wie sie die nötigen Leute zu sich bringt und auch langfristig bindet. Denn bisher kamen rund 40 Prozent aller Zeit- und Berufssoldaten allein über die zuletzt sechsmonatige Wehrpflicht in die Truppe. Künftig sollen sich Männer und Frauen freiwillig dafür melden, bis zu 23 Monate lang Dienst in den Streitkräften zu leisten. Und da Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) dieses Potenzial noch nicht einschätzen kann, kalkuliert er lieber vorsichtig: "5000 plus x" Freiwillige will er pro Jahr in der neu ausgerichteten Truppe beschäftigen. Es dürfen auch gern mehr werden, 15 000 Plätze sind reserviert.

Nachdem praktisch schon seit Anfang Januar keine Wehrpflichtigen mehr eingezogen worden waren, sah die Lage zunächst düster aus. Bis vor wenigen Wochen waren auch die neuen Verpflichtungsprämien, die freiwillig Wehrdienstleistende erhalten sollen, noch nicht gesetzlich geregelt. Nun aber scheinen sich doch mehr junge Menschen für die Bundeswehr zu interessieren als erwartet: Nach Angaben des Ministeriums haben sich in diesem Jahr bereits mehr als 10 000 Freiwillige gemeldet. Knapp die Hälfte davon sind ehemalige Grundwehrdienstleistende, die sich weiter verpflichtet haben. Etwa 45 Prozent der Interessenten meldeten sich bei den Kreiswehrersatzämtern; damit wäre de Maizières Minimalziel erreicht. Nach dem derzeitigen Stand werden zum 1. Juli rund 3000 Freiwillige antreten. Es könnten auch noch mehr werden. Das Ministerium wird in der nächsten Woche noch neue Zahlen verkünden.

Mit dem aktuellen Bewerberaufkommen ist Generalinspekteur Volker Wieker zumindest schon sehr zufrieden. Die neuen Zahlen seien "ausgesprochen vielversprechend", sagte er kürzlich der Berliner Morgenpost. Natürlich müsse man abwarten, ob diese Basis auf lange Sicht belastbar ist. Wieker geht aber davon aus, dass der Soldatenberuf attraktiv bleiben wird, allein des Verdienstes wegen. "Die Freiwilligen verdienen künftig rund 1000 Euro, da ist brutto fast gleich netto, inklusive Unterkunft und Verpflegung", sagte der General. "Hinzu kommt, dass sie keine zusätzlichen Kosten haben für Heilfürsorge, Renten- oder Sozialversicherungsabgaben. Wenn dazu noch eine Verpflichtungsprämie kommt, wird das schnell attraktiv." Wieker fordert nun, dass die Bundeswehr die neuen Freiwilligen sinnvoll beschäftigen muss. Es sei wichtig, dass die ersten Jahrgänge einen ordentlichen Eindruck bekommen, dass man junge Menschen als Multiplikatoren gewinne. De Maizière möchte das in folgendem Dreiklang erreichen, der lautet: "Geld verdienen, eine attraktive Zeit haben und dann dem Land dienen, kurzum: Sich selbst einen Dienst erweisen und auch dem Land einen Dienst erweisen - wenn das zusammengeht, dann haben wir gewonnen."

Noch wirbt die Bundeswehr allerdings eher zaghaft für sich. Nach ersten Anzeigen in Zeitungen, Radio- und Fernsehspots gibt es immerhin eine Idee für einen organisationsübergreifenden Slogan: "Wir. Dienen. Deutschland". Laut de Maizière steht das "Wir" dabei für die Kameradschaft, das "Dienen" für den Dienstgedanken und das "Deutschland" für den Patriotismus, den er sich von seinen Soldaten wünscht. Vermitteln sollen das künftig die Mitarbeiter einer neuen Organisation, zu der die bisherigen Kreiswehrersatzämter und Zentren für Nachwuchsgewinnung fusionieren werden. Nach den Vorstellungen des Ministers sollen diese künftig mit Laptop und Auto unterwegs sein - also zu den jungen Menschen gehen, anstatt auf sie zu warten.