Extremismus

Berliner Islamist Yusuf O. traf in Wien Terrorunterstützer

Nach der Festnahme des Berliner Islamisten Yusuf O. in Österreich werden neue Details im Fall des mutmaßlichen Terroristen bekannt. Offenbar hatte der 26-Jährige engen Kontakt zu einem Netzwerk von österreichischen Terrorunterstützern. Die Festnahme des Deutsch-Türken Yusuf O. Ende Mai in Wien war von Behördenseite - sowohl in Deutschland als auch in Österreich - wochenlang verschwiegen worden.

Am Sonnabend bestätigten die deutsche Staatsanwaltschaft in Karlsruhe und die österreichischen Behörden jedoch einen entsprechenden Bericht der Berliner Morgenpost.

Die genauen Umstände der Festnahme wurden nicht benannt. Für Verwirrung hatte das genaue Datum der Verhaftung des deutschen Terrorverdächtigen gesorgt. Zuerst hieß es, Yusuf O. sei am 30. Mai verhaftet worden, dann wurde korrigiert: Es sei der 31. Mai gewesen. Die widersprüchlichen Angaben lassen vermuten, dass die Festnahme womöglich während einer nächtlichen Polizeiaktion beziehungsweise in den frühen Morgenstunden stattfand. Da die Festnahme des Islamisten aufgrund eines deutschen Haftbefehls stattfand, gilt eine Kooperation deutscher und österreichischer Behörden im Vorfeld der Verhaftung als wahrscheinlich. Österreichs Innenministerium und die zuständige Staatsanwaltschaft wollten keine Detailfragen zur Verhaftung von Yusuf O. beantworten. Lediglich, dass es sich um eine "normale Festnahme" gehandelt haben soll, erfuhr die Berliner Morgenpost. Der Islamist sei von der "Polizei in Wien" festgenommen worden, hieß es. Das deutet darauf hin, dass Yusuf O. nicht am Flughafen der österreichischen Hauptstadt aufgegriffen wurde - dort endet nämlich die Zuständigkeit der Wiener Polizei-Direktion.

Brandenburger Tor war Terror-Ziel

Auch die Frage, ob Yusuf O. sich lediglich auf der Durchreise befand oder sich schon länger in Wien aufhielt, ist nicht geklärt. Österreichische Ermittler gehen angeblich nicht davon aus, dass Yusuf O. plante, Österreich in naher Zukunft Richtung Deutschland zu verlassen. Weshalb Yusuf O. das pakistanische Stammesgebiet Wasiristan verlassen hatte, ist weiterhin nicht eindeutig geklärt. Denkbar ist, dass der Berliner Islamist in Österreich um weitere Rekruten werben und Geld für eine Terrorgruppe in Pakistan sammeln wollte. Wie ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums am Sonnabend bestätigte, traf sich Yusuf O. in den Tagen vor seiner Festnahme mit dem Wiener Islamisten Thomas al-J. Der 25-jährige Konvertit gehört zu einer vierköpfigen Gruppe von Terrorverdächtigen, die am vergangenen Mittwoch in Wien festgenommen worden war. Al-J. wird vorgeworfen, die terroristische Vereinigung Deutsche Taliban Mudschahedin (DTM) in Pakistan unterstützt zu haben.

Im Fall des Berliner Taliban läuft jetzt das Auslieferungsverfahren. Der Islamist hatte sich im Frühjahr 2009 im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet der Terrorgruppe DTM angeschlossen und deren Ausbildungslager besucht. Yusuf O. trat in Propagandavideos als "Ayyub al-Almani" auf. In einem Video, das im September 2009 bekannt wurde, drohte er mit Terroranschlägen in Deutschland. Im Hintergrund war als mögliches Anschlagsziel das Brandenburger Tor zu sehen.