Recep Tayyip Erdogan

Vom frommen "Iman Beckenbauer" zum Reformer der Türkei

Er hat die Türkei verändert wie kaum ein Politiker vor ihm. Am Sonntag stellte sich der 57-Jährige seiner letzten Parlamentswahl, die er mit großer Mehrheit gewann, wenn auch nicht mit der von ihm gewünschten Zweidrittelmehrheit.

Wer ist der Mann, der in den letzten Wochen vor allem als Stimme der Vermittlung in den Krisen der arabischen Welt an Profil gewonnen hat?

* Frommer Schüler Recep Tayyip Erdogan wird am 26. Februar 1954 geboren. Er stammt aus kleinen Verhältnissen und wuchs im Istanbuler Arbeiterviertel Kasimpasa auf. Hier verkauft Erdogan als Junge Sesamkringel auf der Straße und wird von seinem Vater streng religiös erzogen. Schon als Schüler galt er als besonders fromm und brachte seinen Mitschülern bei, wie man sich beim Beten in der Moschee zu verhalten hat.

* Fußball-Talent Erdogan studiert Betriebswirtschaft und arbeitet später bei den Istanbuler Verkehrsbetrieben IETT. Als talentierter Fußballer denkt er über eine Profikarriere nach. Seine Ballkünste sind wohl so beeindruckend, dass er den Spitznamen "Imam Beckenbauer" bekommt. Das Angebot eines Istanbuler Profi-Klubs muss er auf Weisung des Vaters ausschlagen.

* Militärputsch Nach dem Militärputsch von 1980 gibt er seinen Job bei den Istanbuler Verkehrsbetrieben auf, weil der als Chef des Unternehmens eingesetzte Offizier allen Mitarbeitern befahl, nur noch glatt rasiert zur Arbeit zu erscheinen.

* Oberbürgermeister Als Istanbuler Oberbürgermeister von 1994 bis 1998 macht Erdogan als islamistischer Heißsporn von sich reden. Allerdings erwirbt er sich als effizienter Manager der Millionenmetropole zugleich viel Respekt.

* Gefängnis Die Wende in Erdogans persönlichen Überzeugungen kam während seiner Zeit im Gefängnis nach einer politisch motivierten Verurteilung 1998. In dieser Zeit setzte sich bei ihm die Überzeugung durch, dass der strikt islamistische Kurs seines Mentors Necmettin Erbakan in eine Sackgasse führt.

* Parteigründer Zusammen mit einigen Weggenossen wie dem heutigen Staatspräsidenten Abdullah Gül löste sich Erdogan von den islamistischen Traditionalisten und gründete 2001 die AKP, die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung. Besonders zu Beginn ihrer Zeit an der Macht verabschiedete die AKP ein Reformpaket nach dem anderen und wurde 2005 mit dem Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen belohnt.