Forstwirtschaft

Holz um die halbe Welt verschifft

Brandenburgs Forstwirte setzen auf die Biomasse-Strategie des Vattenfall-Konzerns und weiterer Energieversorger. Die Branche der Energieholz-Hersteller und -Nutzer hingegen sieht den weltweiten Einkauf von Holz kritisch.

"Wir begrüßen, was Vattenfall da vorhat", sagte Enno Rosenthal, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Brandenburg, die private Waldbesitzer in der Mark vertritt. Es gebe in den Brandenburger Wäldern durchaus noch ungenutzte Reserven, vor allem im Bestand der kleineren privaten Waldeigentümer. Insgesamt bilden die Wälder Brandenburgs ein riesiges Energiereservoir. 1,1 Millionen Hektar Wald wachsen im Berliner Umland, mehr als ein Drittel der Fläche Brandenburgs ist mit Wald bedeckt. Zwei Drittel gehören Privatleuten, ein Drittel dem Land. Der Wald bietet 15 000 Arbeitsplätze in Brandenburg.

Die Branche hat nach Angaben Rosenthals harte Zeiten hinter sich, die der Energiehunger der Konzerne in der Zukunft ausschließen werde. Nach der Wiedervereinigung sei die Holz verarbeitende Industrie in Ostdeutschland weitgehend zusammengebrochen, sagt Rosenthal, dem ein Stück Wald bei Neuruppin gehört und der sich politisch auf dem pragmatischen Flügel der Linkspartei engagiert. Die Preise gingen in den Keller, für 50 Pfennig pro Raummeter hätten die Forstwirte ihr Holz verscherbeln müssen. Inzwischen ist der Preis wieder bei 25 Euro pro Raummeter Holz angekommen. "Wenn die Industrie wieder zusammenbricht, bleibt die Energiegeschichte konstant und wird insgesamt wachsen", ist Rosenthal überzeugt. Dass die Waldbauern Raubbau betreiben könnten, sieht er nicht. Forstleute seien es seit Jahrhunderten gewöhnt, nachhaltig zu wirtschaften.

Dass der Anbau schnell wachsender Energiewälder für die normalen Waldbauern in Brandenburg eine Konkurrenz bilden könnte, glaubt Rosenthal nicht. Die bisher genutzte Fläche sei gering, man sei noch nicht über das Versuchsstadium hinaus. Auf guten Böden würden Bauern derzeit mit anderen Produkten wie Weizen mehr Geld verdienen und müssten sich nicht auf Jahre an den Holzanbau binden. Und auf schlechten, trockenen Böden funktioniere der Anbau nicht gut genug. Während die regionale Beschaffung von Biomasse durchaus Anhänger findet, sind Vattenfalls Ausflüge ins globale Geschäft mit dem Rohstoff Brennholz der jungen Energiebranche nicht geheuer. "Die positive Seite der Holzenergie ist ihr kleinräumiger Einsatz", sagte Martin Bentele, Vorsitzender des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes (DEPV). Sinnvoll sei der Einsatz dann, wenn Holz zur Wärmegewinnung oder in kleinen Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlagen eingesetzt werde, wenn die Wertschöpfung in der Region liege und man nicht Holz um die halbe Welt transportieren müsse.

Bentele spricht für eine noch relativ kleine Branche aus 60 mittelständischen Pellet-Produzenten, 500 bis 600 Pellet-Händlern, 30 Herstellern von Pellet-Heizungen und -Öfen mit einem Jahresumsatz von etwa einer Milliarde Euro in Deutschland. Der Verband fürchtet, die globale Strategie von Großkonzernen wie Vattenfall, die in der Bevölkerung umstritten sei, könnte das positive Öko-Image des Brennstoffs Holz negativ beeinflussen: "Ich sehe das, was Vattenfall macht, grundsätzlich kritisch", sagt Bentele.

Wenn es um eine Bewertung der Energiepolitik der Bundesregierung geht, ist sich der Pellet-Lobbyist aber in einem mit dem Vattenfall-Konzern einig. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Energie aus Sonne und Wind gefördert werde, Energie aus nachwachsendem Holz aber nicht. Die Regierung habe in der Diskussion über die Atomkraft das Thema Wärme vernachlässigt, so Bentele. Dabei sei klar, dass man die größten Einsparungen von Kohlendioxid am Wärmemarkt erreichen könne.