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Sexueller Missbrauch - ein Tabuthema bewegt die Massen

Diskussion Experten halten die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs auch in den Kirchen noch lange nicht für erledigt. Das ist das Fazit einer Diskussion am Freitag auf dem Evangelischen Kirchentag.

Der Andrang von rund 1200 Zuhörern zeigte deutlich, wie groß das Interesse an dem Thema ist. Auf dem Podium sprach unter anderen die Beauftragte der Bundesregierung für Missbrauchsopfer, Christine Bergmann, über ihren am 24. Mai vorgestellten Abschlussbericht. Binnen eines Jahres hatten sich rund 15 000 Betroffene per Telefon oder brieflich bei Bergmanns Anlaufstelle gemeldet. Allein am Tag nach der Veröffentlichung ihres Berichtes hätten 850 Menschen angerufen, berichtete Bergmann. Ihr Team habe geleistet, was möglich war. "Das reicht aber nicht", sagte die SPD-Politikerin und frühere Bundesfamilienministerin. Sie erwartet, dass es nach der geplanten Schließung des Büros im Oktober eine Anschlussregelung geben muss. Es gehe darum, die vorgelegten Empfehlungen umzusetzen und dies auch zu kontrollieren. Bergmann forderte nicht nur mehr Therapiemöglichkeiten für Opfer, sondern auch eine Verankerung des Themas in der Ausbildung von Medizinern und Psychologen.

Opfer Nach einer Stunde mit Statements von Experten kam das Publikum an die Reihe. Fragen der Zuhörer auf Zetteln waren zuvor von Helfern eingesammelt worden. Viele outeten sich dabei anonym als Opfer sexueller Gewalt. Bergmann äußerte die Hoffnung, dass nach langer Tabuisierung eine breite Debatte nun zur Besserung der Lage beiträgt. "Das Verschweigen, Vertuschen, Verleugnen der Taten hat das Unrecht vervielfacht."

Der Beauftragten zufolge hätte etwa ein Drittel derer, die sich bei ihr meldeten, einen Missbrauch in Institutionen erlitten.