Atomausstieg

Brandenburg wird doppelt so viel Strom produzieren

Wird jetzt die Frage nach einem Endlager für Atommüll neu aufgerollt?

Offenbar ja. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Montag seinen Widerstand gegen die Suche nach einer Alternativen zum Endlager im niedersächsischen Gorleben aufgegeben. "Alles muss untersucht werden - Gorleben, aber auch andere Gebiete in Deutschland", sagte Seehofer. Die Generation, die den Atomstrom nutze, müsse sich auch um die Entsorgungsfrage kümmern. Daher komme nun "alles auf den Prüfstand". Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission. Die Endlagersuche soll nach dem Willen des Gremiums dabei nicht auf Gorleben beschränkt bleiben. "Dies erweitert über Gorleben hinaus den Suchraum für Endlagerstätten für radioaktiven Müll in Deutschland", stellte die Kommission fest.

Wir wirkt sich der Atomausstieg auf die Energiepreise in Deutschland aus?

Für Endverbraucher werden die Preise auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom wird von den Stadtwerken und Vertriebsgesellschaften stets über mehrere Jahre im Voraus eingekauft. Der aktuelle Preisschub an der Strombörse betrifft damit nur den Großhandelspreis und fällt vorerst kaum ins Gewicht. Einige Experten erwarten aber schon bis 2018 einen Preisanstieg um 18 Prozent. Ursache dafür sind die Ausgaben für den Netzausbau und die erhöhte Umlagefinanzierung für erneuerbare Energien. Am stärksten wird die Industrie von den höheren Großhandelspreisen belastet. Ihre Energiekosten können sich schon in den nächsten fünf Jahren um 30 Prozent erhöhen. Schuld daran sind auch die höheren Preise für Emissionszertifikate, die sich wegen des Atomausstiegs verteuern dürften.

Was bedeutet der Atomausstieg für die Windparks in Brandenburg?

Rund 3000 Anlagen sind im Land Brandenburg in Betrieb. Sie erzeugen eine Leistung von 4000 Megawatt. Bis 2020, so das Ziel der Landesregierung, soll sich diese Leistung nahezu verdoppeln. Dazu müssen viele Hundert weitere Windräder aufgestellt werden. Laut Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) sind durch den Ausbau der Windkraft in den vergangenen Jahren rund 12 000 Arbeitsplätze entstanden. Bei der Erzeugung von Windenergie ist Brandenburg nach Niedersachsen führend. 16,1 Prozent des gesamten in Deutschland produzierten Windstroms kommen aus der Mark. Ziel ist es, die Vielzahl alter Windräder durch neue, höhere Anlagen mit größerer Leistung zu ersetzen. Die Gesamtzahl der Anlagen könnte durch dieses "Repowering" noch sinken.

Steigt durch den vorgezogenen Atomausstieg die Gefahr eines Blackouts?

Die Bundesnetzagentur warnt bereits durch das Atom-Moratorium vor einer "kritischen Situation". Wenn aufgrund eines typischen winterlichen Hochdruckgebietes Windflaute herrsche und auch noch die ohnehin überlastete Nord-Süd-Leitung ausfalle, würden an einem kalten Wintertag Kapazitäten in einer Größenordnung von mindestens 1000 Megawatt fehlen. Das entspricht der Leistung eines Atomkraftwerks. Um den wegfallenden Solar- und Windstrom im Winter auszugleichen, gebe es nicht genügend Reservekraftwerke. Auch auf Stromimporte aus Frankreich könne man im Winter nicht mehr zählen: Wegen der dort verbreiteten Stromheizungen falle Frankreich als Stromexporteur erfahrungsgemäß völlig aus.

Was bedeutet der vorgezogene Atomausstieg für die Stromtrassen?

In Deutschland fehlen mehr als 3600 Kilometer Stromleitungen auf der Höchstspannungsebene. So müssen zum Beispiel in Nordfriesland Windräder bei kräftigem Wind abgeschaltet werden, weil der Strom nicht weitergeleitet werden kann. In einem "Bundesnetzplan" sollen notwendige Trassenkorridore ausgewiesen werden. Der Ausbau des Leitungsnetzes verzögert sich wegen Bürgerproteste und landespolitischer Widerstände. Auch regionale und lokale Verteilnetze auf niedriger Spannungsebene müssen für einen zweistelligen Milliardenbetrag ausgebaut werden, um Solar- und Windstrom integrieren zu können.