Kriegsverbrecher

Angeklagter will seine Schuld in Den Haag abstreiten

Im Falle einer Auslieferung an das Haager Tribunal wolle sich Ratko Mladic der ihm vorgeworfenen Kriegsverbrechen nicht schuldig bekennen, kündigte sein Sohn Darko Mladic nach einem Besuch bei seinem Vater im Gefängnis in Belgrad an. Dem Militärführer der bosnischen Serben im Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina von 1992 bis 1995 wird unter anderem vorgeworfen, die serbischen Einheiten beim Massaker von Srebrenica befehligt zu haben, bei dem im Juli 1995 mehr als 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet wurden.

Außerdem soll Mladic die vier Jahre anhaltende Belagerung von Sarajevo maßgeblich mitverantwortet haben.

Eine Sprecherin des Belgrader Gerichts sagte, Mladic habe sich während der Anhörung am Freitag geweigert, die Den Haager Anklage anzuerkennen. "Er hat eine Reihe von chronischen Leiden, aber er ist imstande, der Verhandlung zu folgen", sagte Gerichtssprecherin Maja Kovacevic.

Mladic' Sohn Darko Mladic sagte, der 69-Jährige habe auf seiner 16 Jahre andauernden Flucht zwei Schlaganfälle erlitten. Der Gesundheitszustand seines Vaters sei "äußerst beunruhigend", fügte er hinzu. "Er hat Probleme beim Sprechen, seine rechte Hand ist fast gelähmt und er hat kein Gefühl in der rechten Seite seines Körpers." Die Familie werde nun eine Untersuchung unabhängiger Ärzte sowie seine Verlegung in ein Krankenhaus fordern. Sein Vater sei zudem "unschuldig", sagte Darko Mladic.

Gesundheitszustand umstritten

Verteidiger Milos Saljic sagte, Mladic sei bei der Anhörung von Thema zu Thema gesprungen und habe sich widersprüchlich geäußert. Mladic benötige medizinische Hilfe und sollte in einem solchen Zustand nicht transportiert werden, sagte sein Anwalt. Er verlangte auch, dass sein Mandat von Vertretern einer unabhängigen medizinischen Kommission untersucht werde.

Die für die Verfolgung von Kriegsverbrechen zuständige Staatsanwaltschaft erklärte, man halte Mladic' Gesundheitsprobleme für eine Taktik, um seine Auslieferung zu verzögern. Der Ex-General nehme viele Medikamente, habe aber sehr rational auf die Geschehnisse um ihn herum reagiert, sagte der stellvertretende Staatsanwalt Bruno Vekaric.

Eine Sprecherin des UN-Tribunals sagte am Freitag, das Gericht sei durchaus in der Lage, Kranke zu empfangen und tue das seit seinem Bestehen. Das Gericht habe ein eigenes medizinisches Zentrum und außerdem Zugang zum niederländischen Gesundheitssystem, sagte Nerma Jelacic.

Der meistgesuchte mutmaßliche Kriegsverbrecher Europas war am Donnerstag in Serbien festgenommen worden. Seine Vernehmung war am Donnerstag wegen des angeblich schlechten Gesundheitszustands auf Forderung seiner Anwälte hin vertagt worden.