EHEC

Gegen diesen Erreger versagen selbst Breitband-Antibiotika

Experten der Universität Münster haben den Typ des Darmerregers EHEC identifiziert, der für die ungewöhnlich hohe Zahl gefährlicher Durchfallerkrankungen in Deutschland verantwortlich ist.

Es handelt sich um einen Vertreter des Typs HUSEC 41 des Sequenztyps ST678, wie Forscher des Universitätsklinikums Münster herausfanden. Der Bakterienstamm sei gegen mehrere Antibiotika resistent, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene des Klinikums, Helge Karch. Dieser EHEC-Typ sei bislang aber weltweit noch nicht "auffällig in Erscheinung getreten", sagte Karch.

Laut dem Klinikum entwickeln Karch und sein Team ein Testverfahren, mit dem eine schnelle Bestätigung des Erregers möglich sein soll. Der Test solle in wenigen Tagen zur Verfügung stehen. Die Identifizierung des Erregers sei "ein wichtiger Schritt auf der Suche nach den Übertragungswegen", sagte der Direktor des vom Robert-Koch-Institut (RKI) beauftragten Labors. Bisher sei es mit diesem Keim weder in Deutschland noch weltweit zu dokumentierten Ausbrüchen gekommen.

Es handele sich bei "O104H4" um eine seltene und veränderte Variante, dem ein bestimmtes Gen fehle, das in etwa 95 Prozent der EHEC-Keime vorkomme, die das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen, erklärte der Forscher. Daher seien Penizilline oder bestimmte Breitband-Antibiotika (Cephalosporine) nicht wirksam, sondern nur sogenannte Carbapeneme, die zu den Beta-Lactam-Antibiotika gehören. "Wir müssen jetzt prüfen, ob es noch weitere Veränderungen gibt, die ihn so gefährlich machen, die die Ursache sind für seine hohe Virulenz", so Karch. Bei der Untersuchung habe sich schnell herausgestellt, dass es sich bei den Proben aus vier Städten um denselben Stamm handelte.

Das RKI hatte zuvor vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Salatgurken und Blattsalat gewarnt. Nach den jüngsten verfügbaren Statistiken waren in der EU im Jahr 2009 insgesamt 3576 Fälle von Erkrankungen durch EHEC in 24 Mitgliedsstaaten registriert worden.