Liberale

Martin Lindner verzichtet auf Antrag gegen den Ex-Chef

Am Ende hatten sie ihn wieder im Boot: Keinen Mucks gab der Berliner FDP-Bundestagsabgeordnete Martin Lindner im Vorfeld von Rostock mehr von sich. Schon gar nicht, um seine Forderung zu bekräftigen, beim Parteitag darüber abzustimmen, ob man Guido Westerwelle weiter als Außenminister haben will.

Stattdessen waren es der Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle und Generalsekretär Christian Lindner, die nun erklärten, dass Lindner nun doch nicht beabsichtige, einen Antrag auf Abstimmung über das Verbleiben Westerwelles im Kabinett zu stellen. Brüderle hatte Lindner offenbar ins Gebet genommen, bevor er auf den Sitzungen von Präsidium und Bundesvorstand Entwarnung gab. Der Berliner war auf Ungnade gestoßen, weil er unter anderem in einem Interview der Berliner Morgenpost den Streit über Westerwelle neu entfacht hatte. Sein Argument: Ohne so eine Vertrauensabstimmung kehre in der Partei "keine Ruhe" ein. Statt Zustimmung erntete er trotz der Unzufriedenheit mit Westerwelle aber vor allem Kritik - und zwar nicht nur von der neuen Parteiführung, sondern auch bei den Kollegen in der Bundestagsfraktion, die ihn am Dienstag gerade erst mit knapper Mehrheit zum neuen Vizechef gewählt hatten.

Denkbar, dass Lindner, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, sich auch von dem bereits in Aussicht gestellten Abwahlantrag gegen ihn selbst beeindrucken ließ. Jedenfalls verkündete sein Namensvetter, der Generalsekretär Christian Lindner, im RBB, dass es keine Abstimmung über Westerwelles politisches Schicksal geben werde. "Solche Anträge liegen nicht vor, das sind unbedachte Äußerungen von Einzelnen gewesen", sagte er. Martin Lindner bedauere inzwischen, dass er die Debatte losgetreten habe, fügte der Generalsekretär noch an. Und bekräftigte, er halte so eine Abstimmung für unnötig. "Es wird eine offene Aussprache geben, wir werden einen Bundesvorstand wählen." Westerwelle habe mit seinem Verzicht auf das Amt des FDP-Vorsitzenden den Weg zum Neuanfang frei gemacht, das verdiene Respekt. Er soll nach dem Willen der neuen Parteiführung, die ihrem einstigen Mentor viel zu verdanken hat, nun die Chance bekommen, sich wie sein Vorgänger Hans-Dietrich Genscher auf seine Aufgabe als Außenminister zu konzentrieren. Dass aber auch diese Idee nicht allen gefällt, zeigten die Äußerungen des Altliberalen Gerhart Baum in der ARD. "Die Ära Westerwelle ist zu Ende, ob man das will oder nicht. Er verkörpert den Vertrauensschwund, den die Partei erlitten hat", beklagte sich Baum.