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Junge Spitze, alte Hasen

Einige Junge rücken nach, aber auch altgediente Parteisoldaten bleiben in zentralen Positionen. Die Berliner Morgenpost erläutert die neue Führungsmannschaft der FDP.

* Philipp Rösler (38): Früherer Bundeswehrarzt, bisheriger Gesundheitsminister, designierter Parteichef und Wirtschaftsminister. Er gilt als Anführer der "Jungen Milden" in der FDP, die bisweilen auch als kraftlose "Boygroup" verspottet werden. Aber Rösler hat sich mit seinen Personalvorstellungen durchgesetzt. Das zählt.

* Rainer Brüderle (65): Seinen erklärten Traumjob als Wirtschaftsminister ist der 65-Jährige nun los, aber Einfluss auf das Regierungsgeschehen hat er als neuer Fraktionsvorsitzender weiter. Über fehlenden Rückhalt bei den FDP-Abgeordneten braucht Brüderle sich nicht zu beklagen. Man traut ihm zu, mit Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) auf Augenhöhe zu verhandeln. Er muss sich jetzt darum kümmern, dass liberale Kernanliegen wie die Entlastung des Mittelstands nicht unter die Räder kommen. Zur Not gegen den Widerstand der Kanzlerin.

* Christian Lindner (32): Erst seit einem Jahr Generalsekretär, aber als Redner und Stratege absolut unumstritten. Kann in Rostock auf ein sehr gutes Ergebnis hoffen und gilt schon heute als möglicher FDP-Chef, wenn Rösler mal keine Lust mehr hat. Werkelt derzeit an einem neuen Grundsatzprogramm, um vom Image der "Steuersenkungspartei" wegzukommen.

* Daniel Bahr (34): Der ehemalige Chef der Jungen Liberalen profitiert davon, dass Philipp Rösler den Posten als Gesundheitsminister räumt. Als Parlamentarischer Staatssekretär hatte er dem Hannoveraner dort bislang den Rücken freigehalten. Bahr kennt sich in den Wirrnissen der Gesundheitspolitik mindestens genauso gut aus wie mit den machtstrategischen Fallstricken bei den Liberalen. Er ist bereits seit seiner Wahl zum FDP-Landeschef in Nordrhein-Westfalen 2010 eine der wichtigsten Figuren der Partei.

* Guido Westerwelle (49): Der Außenminister tritt in Rostock nach zehn Jahren als FDP-Chef nicht mehr an - er versucht aber, hinter den Kulissen weiter die Fäden zu ziehen. Außenminister bleibt er dennoch erst mal nur auf Bewährung. Die Partei erwartet von ihm, dass er international an Statur gewinnt und endlich populärer wird. Sonst könnte es bald doch noch eng für ihn werden.

* Birgit Homburger (45): Die Frau mit den zum Teil katastrophalen Redeauftritten im Bundestag ist die große Verliererin der Rochade. Dass sie gehen musste, schwante der Schwäbin schon länger. Dass es aber keinen adäquaten Ersatzposten in einem der Ministerien gibt, ist bitter für Homburger. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, ob es in Rostock klappt mit dem Posten als Stellvertretende Parteivorsitzende. Homburger gilt neben Westerwelle als Hauptschuldige der FDP-Existenzkrise.