Kirche

Kritik an der Militäraktion der USA

Keine Frage: Deutschland schien den Tod Osama Bin Ladens nicht als etwas zu empfinden, das dieses Land angeht. Typisch waren die Reaktionen aus dem Umfeld der evangelischen Kirche. Alfred Buß etwa, Präses der großen Landeskirche von Westfalen, sagte der "Neuen Westfälischen Zeitung": "Die Welt wird nicht besser, indem man Menschen tötet, sondern dadurch, dass man auf seine Feinde zugeht."

Wie das im Falle Osamas möglich gewesen sein soll, sagte er nicht. Noch weiter ging der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann. Er warnte davor, auf dem Umweg über eine Militäraktion eine Todesstrafe einzuführen, noch dazu ohne Gerichtsverfahren. Anscheinend gelten für den Oberterroristen andere Gesetze als für die niederen Chargen, die auch von der Bundeswehr in Afghanistan getötet werden, ohne dass ihnen vorher der Prozess gemacht wird. Scharf kritisierte der EKD-Friedensbeauftragte Renke Brahms die Aktion: Richtig wäre es gewesen, Osama gefangen zu nehmen und vor den Internationalen Gerichtshof zu stellen. Dabei übersieht Brahms, dass die USA nicht Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs sind; wenn Osama dort erscheinen sollte, hätten deutsche Truppen zugreifen müssen. Keiner der Berufstheologen sprach jene Wahrheit aus, an die Kurt Kister in der "Süddeutschen Zeitung" erinnerte: Osama "ist, um das Matthäus-Evangelium zu paraphrasieren, durch das Schwert umgekommen, weil er zum Schwert gegriffen hat".

Der Vatikan hielt sich bedeckt. Sprecher Federico Lombardi erinnerte daran, dass Bin Laden die Religion missbraucht habe, um Spannungen und Hass zwischen den Völkern zu schüren und für den Tod unzähliger Menschen verantwortlich sei. "Angesichts des Todes eines Menschen freut sich ein Christ nie", sagte Lombardi. Man hoffe aber, dass sein Ende "Gelegenheit für ein weiteres Anwachsen nicht des Hasses, sondern des Friedens" werde. Positiv äußerte sich der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Die Mitgliedsverbände hätten den Tod Bin Ladens erleichtert aufgenommen. Die Muslime hätten "ein existenzielles Interesse, dass ihre Religion nicht von Extremisten missbraucht wird".

Anders die Linkspartei. "Die Genugtuung, die sich bei vielen einstellt, ist nachvollziehbar", meinte Wolfgang Gehrcke, außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken. Doch müssten demokratische und rechtsstaatliche Strukturen auch für einen Mann wie Osama gelten. Nicht die USA, sondern die pakistanische Polizei wäre für die Festnahme des Terrorchefs zuständig gewesen - also eben jene Polizei, die ihn seit fünf Jahren im eigenen Land nicht hatte aufspüren können! Wenig später gab Christine Buchholz, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand, den Genossen einen antiimperialistischen Kurs vor. Die "von Angela Merkel bejubelte" Aktion der US-Spezialkräfte sei eine "außergerichtliche Hinrichtung" gewesen.