Stephanie zu Guttenberg

"Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst"

Sie habe ihren Mann schon immer auf einer seiner Reisen an den Hindukusch begleiten wollen, sagte Ministergattin Stephanie zu Guttenberg bei ihrem Überraschungsbesuch in Kundus.

Der Gefahr in Afghanistan begegne sie mit viel Respekt. "Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst", sagte sie. "Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig am falschen Platz." Sie wolle sich aber nicht durch die angespannte Sicherheitslage davon abhalten lassen, "als Bürger dieses Landes Danke zu sagen". Zur Reaktion ihrer beiden Töchter (acht und zehn) sagte die 34-Jährige: "Begeistert waren sie nicht, aber sie haben das verstanden."

Viele Politiker, auch aus dem Regierungslager, brachten weniger Verständnis auf für diese Adventsreise des Ministers, den der "Focus" gerade zum Mann des Jahres kürte. Es sei ja gut, dass Guttenberg regelmäßig nach Afghanistan fliege und so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Arbeit der Bundeswehr lenke, hieß es bei Verteidigungspolitikern der Koalition. Aber ein Trip mit Ehefrau und Boulevard-Talker drifte doch stark in Richtung "Selbstinszenierung". Während die Abgeordneten selbst es mit Verweis auf Sicherheitsgründe und begrenzte Transportkapazitäten oft nicht bis in die gefährlichen Einsatzgebiete schafften, werde nun ein ganzer TV-Tross dahin verfrachtet.

Während CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe den Besuch "als starke persönliche Solidaritätsgeste" verteidigte, sagte der FDP-Außenpolitiker Bijan Djir-Sarai der Morgenpost: "Hoffentlich sind sich alle Beteiligten darüber im Klaren, dass die Situation in Afghanistan zu ernst ist für persönliche PR-Kampagnen." Noch deutlicher wurde die Opposition. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte den Besuch "absolut unangemessen". Mit seinen "bunten Reisebegleitern" geriere sich Guttenberg wie ein "Staatsoberhaupt", sagte der SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels der Morgenpost.

Wirbel um Goebbels-Vergleich

Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour erklärte, es sei Guttenbergs eigene Entscheidung, ob er aus dem Truppenbesuch vor Heiligabend einen Familienausflug mache. "Allerdings läuft er Gefahr, dass er die Risiken im Einsatzgebiet stark banalisiert", sagte er. Kritische Worte fand auch Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken: Afghanistan sei das letzte Land, das sich für Showbusiness und Entertainment eigne. "Die ministerielle PR-Aktion mit Gattin und Talkshow-Tross verbessert weder die Lage im Land, noch macht sie den von der klaren Mehrheit der Deutschen abgelehnten Bundeswehreinsatz richtig", sagte Gysi dem "Tagesspiegel".

Die Reise schlug auch in der Provinz hohe Wellen. Ein Grünen-Ratsherr in Mönchengladbach löste mit einem Nazi-Vergleich scharfe Kritik aus. In seinem Internet-Profil bei Twitter schrieb der Grüne Thomas Diehl: "Guttenberg nimmt in Afghanistan ne Talkshow mit Kerner auf - da kann Goebbels sich propagandamäßig noch was abgucken!" Der CDU-Kreisvorsitzende Günter Krings forderte daraufhin eine öffentliche Entschuldigung.

Kerner ließ auf die Kritik an seiner Begleitung hin mitteilen: "Die Lage in Afghanistan ist ein wichtiges Thema. Deshalb machen wir diese Sendung - kurz vor der möglichen nächsten Mandatsverlängerung im Bundestag und kurz vor Weihnachten." Im Jahr mit den höchsten Verlusten der Isaf-Schutztruppe dürfe das Thema nicht in Vergessenheit geraten. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers gab es eine Anfrage der Redaktion. Das Format sei geeignet, die Öffentlichkeit über die Besonderheiten des Einsatzes "durch das unmittelbare Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten zu informieren". Das Ministerium teilte auch mit, dass die Ministergattin nicht die Steuerzahler belaste. Stephanie zu Guttenberg bezahle ihre Reisekosten selbst.