Seligsprechung

Johannes Paul II. und die wundersame Tumorheilung

Slawomir Oder ist als "Postulator" amtlicher Hauptbefürworter der Seligsprechung Johannes Pauls II. Vereinfacht kann man sagen, dass die erste Phase eines Seligsprechungsverfahrens der Informationsprozess auf Diözesanebene ist.

Oder vertritt sozusagen posthum die Interessen des Verstorbenen. Im Büro des polnischen Geistlichen stapeln sich Aktenordner mit Briefen, in einem Nebenraum wartet auf einem Tisch ein Berg an Post, Briefen und Geschenken, die alle noch sortiert werden müssen. Die meisten Briefe kommen aus Lateinamerika und aus Mexiko, aber auch aus Europa. Mit Slawomir Oder sprach Martin Zöller.

Berliner Morgenpost: Haben Sie heute schon von einem Wunder gelesen?

Slawomir Oder: Ja, es kamen einige Briefe, einer aus Mexiko. Ich habe ihn bisher nur überflogen, aber es geht um die Heilung von einer Krankheit.

Berliner Morgenpost: Von welchen Wundern, die Johannes Paul II. bewirkt haben soll, erzählen die Menschen?

Slawomir Oder: Ich habe in diesen Jahren seit 2005 unzählige Briefe gelesen von Menschen aus aller Welt. Manche haben Johannes Paul II. darum gebeten, einen Arbeitsplatz zu bekommen und haben ihn erhalten; andere ein Visum. Viele glauben, er habe ihnen geholfen, von einer Sucht loszukommen. Dann gibt es die wundersamen Heilungen von Tumoren. Und auf Fürsprache von Johannes Paul II. haben viele kinderlose Familien Kinder bekommen.

Berliner Morgenpost: Welche Briefe und Berichte haben Sie besonders berührt?

Slawomir Oder: Immer wenn wir Briefe über Heilungen von kranken Kindern bekommen, geht mir das nahe. Oder die Briefe von Menschen, die nicht glauben oder die auch gar nicht katholisch sind, aber trotzdem Wundersames erlebt haben und glauben, dass es auf Johannes Paul II. zurückgeht. Jeder Brief wird mit viel Respekt behandelt - denn die Menschen öffnen ihr Herz, und das verlangt Respekt.

Berliner Morgenpost: Können Sie ein Beispiel für ein Wunder nennen?

Slawomir Oder: Aus Mexiko habe ich vor einigen Monaten einen Brief bekommen, in dem die Eltern berichteten, ihr Kind sei mit einem Gehirntumor auf die Welt gekommen. Die Eltern beteten daraufhin verzweifelt um die Rettung des Kindes und baten Johannes Paul II. um seine Fürsprache. Das Kind ist heute gesund.

Berliner Morgenpost: Wie untersuchen oder bewerten Sie die Briefe?

Slawomir Oder: Bei Johannes Paul II. gab es jetzt sehr viele Heilungen von Tumoren. Das sind sehr bewegende Geschichten, aber ich habe sie bei dieser Seligsprechung nicht berücksichtigt. Denn ein vollständiger Sieg über den Tumor kann zehn Jahre dauern. Für mich ist ein Wunder dann gegeben, wenn die Merkmale einer Krankheit nachweislich plötzlich, auf Dauer und natürlich nach Anrufung eines Menschen, etwa Johannes Pauls II., verschwunden sind.

Berliner Morgenpost: Wird Papst Johannes Paul II auch heiliggesprochen? Wann?

Slawomir Oder: Das kann ich nicht voraussagen, vor allem nicht aus einem Büro heraus. Denn nicht die Kirche macht die Heiligen, Hauptakteur ist Gott. Für eine Heiligsprechung verlangt die Kirche ein zweites Wunder - wie lange das dauert, bestimmen nicht wir, sondern es liegt an den Gebeten und deren Erhörung.

Berliner Morgenpost: Ist er für Sie jetzt schon heilig?

Slawomir Oder: Ja, für mich ist er ein Heiliger. Ich bin überzeugt davon.