Johannes Paul II.

"Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt"

Vor der Seligsprechung von Johannes Paul II. hat der Schweizer Theologe Hans Küng dem früheren Papst die für einen Seligen nötige Tauglichkeit als Vorbild abgesprochen. Johannes Paul II. habe "ein autoritäres Lehramt ausgeübt, er hat die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt", sagte Küng der "Frankfurter Rundschau".

Diese "dunklen Seiten" seien bei dem Seligsprechungsprozess "ganz und gar unberücksichtigt geblieben". Papst Benedikt XVI. will seinen 2005 verstorbenen Vorgänger am Sonntag seligsprechen.

Küng schrieb Johannes Paul II. und seinem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst, auch eine systematische Vertuschung des Skandals um tausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester zu. Persönlich habe Johannes Paul II. mit dem Ordensgründer Marcial Maciel Degollado einen "notorischen Kinderschänder" geschützt. Bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche habe er "komplett versagt": "Das ganze Ausmaß dieser scheußlichen Verbrechen wurde von ihm gemeinsam mit Kardinal Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation systematisch vertuscht."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, würdigte insbesondere die menschlichen Qualitäten des Papstes aus Polen. In einem am Freitag veröffentlichten Beitrag für das Internetportal Kath.net lobt der Freiburger Erzbischof die "buchstäbliche Gastfreundschaft", die Kommunikationsfähigkeit und den Humor des 2005 gestorbenen Kirchenoberhauptes.

Als einen Höhepunkt im christlich-jüdischen Verhältnis würdigte Charlotte Knobloch die Amtszeit von Papst Johannes Paul II. "Er hat die Juden nicht nur seine älteren Brüder genannt, sondern sie auch so gesehen", sagte die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.