Chronik

Die Provokationen des Thilo Sarrazin

Thilo Sarrazin ist als exzellenter Finanzfachmann, aber vor allem als Provokateur bekannt. Ein Rückblick

Februar 2008 Sarrazin rechnet vor, wie man sich mit einem Tagessatz von 4,50 Euro gesund und ausgewogen ernähren kann. Untergewicht sei das kleinste Problem der Hartz-IV-Empfänger. Später entschuldigt er sich für den Speiseplan.

Juli 2008 In der Debatte um steigende Energiepreise und Staatshilfen für Bedürftige sagt der Finanzsenator: "Wenn die Energiekosten so hoch sind wie die Mieten, werden sich die Menschen überlegen, ob sie mit einem dicken Pullover nicht auch bei 15 oder 16 Grad Zimmertemperatur vernünftig leben können."

Mai 2009 Kurz nach seinem Amtsantritt im Vorstand der Deutschen Bundesbank erscheint ein Interview im "Stern", in dem Sarrazin sagt, die Politik müsse dafür sorgen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die "damit fertigwerden". Zudem sagt er: "Man muss den Leuten sagen: Glaube keinem Bankberater."

September 2009 In einem Interview mit der Zeitschrift "Lettre International" sagt Sarrazin, ein Problem der Hauptstadt sei, "dass 40 Prozent aller Geburten in der Unterschicht stattfinden". 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin lehnten den deutschen Staat ab und sorgten nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder.

Oktober 2009 Als Konsequenz aus den Äußerungen zur Integration von Ausländern verliert der Bundesbank-Vorstand seine Zuständigkeiten für den wichtigen Bereich Bargeld. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht auf Volksverhetzung, die Ermittlungen werden eingestellt.

Juni 2010 Sarrazin äußert bei einem Vortrag die Befürchtung, das schwächere Bildungsniveau vieler Zuwanderer aus der Türkei oder Afrika wirke sich negativ auf Deutschland aus. "Wir werden auf natürlichem Wege durchschnittlich dümmer."

August 2010 Kurz vor der Vorstellung seines Buchs "Deutschland schafft sich ab" sorgt Sarrazin mit Äußerungen in einem Interview der Berliner Morgenpost zu muslimischen Zuwanderern und dem Erbgut von Juden ("Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen") für Empörung. Rufe nach seiner Ablösung werden lauter. In seinem Buch warnt er, die Deutschen könnten "Fremde im eigenen Land" werden.