Jugendgewalt

Der brutale Überfall im U-Bahnhof Lichtenberg schockierte Berlin

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Maren Wittge

In der Hauptstadt ist die Jugendgewalt wie in anderen Metropolen ein dauerhaftes Problem. Die absoluten Zahlen gehen zwar zurück, aber das Ausmaß der Brutalität nimmt immer mehr zu.

Besonders brutal war der Überfall auf den 30 Jahre alten Marcel R. Mitte Februar. Der Maurergeselle war von vier Jugendlichen am U-Bahnhof Lichtenberg ins Koma geprügelt worden. Sein gleichaltriger Kollege konnte leicht verletzt fliehen. Die vier Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren raubten ihrem Opfer persönliche Gegenstände und flüchteten. Passanten entdeckten kurz darauf den bewusstlosen Mann auf dem Bahnsteig liegend. Durch die Schläge und Tritte erlitt der Mann schwerste Schädel- und Hirnverletzungen. Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft haben Hinweise darauf, dass die Opfer den Angriff provoziert hätten. Durch die Auswertung des Überwachungsvideos wurden die vier Tatverdächtigen schnell festgenommen.

Massive Hirnverletzungen

Die Täter sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Erst vier Wochen nach dem Überfall konnte der 30-Jährige aus dem Koma geholt werden. Durch die massiven Hirnverletzungen musste ein Teil seiner Schädeldecke entfernt werden und wurde eingefroren. Marcel R. hat Probleme mit dem Sprechen und ist in seiner Bewegung eingeschränkt. Er befindet sich noch immer im Unfallkrankenhaus Marzahn.

Allein seit Ende März kam es zu sieben Fällen, in denen Kinder oder Jugendliche durch Gleichaltrige angegriffen und verletzt wurden. So wurde bei einem Streit auf einem Tempelhofer Spielplatz ein Neunjähriger von einem erst sieben Jahre alten Jungen mit einem abgebrochenen Küchenmesser verletzt. Der Jüngere hatte sich mit einem Mädchen gestritten; als der Neunjährige dazwischenging, zog der Junge ein Messer. Das Opfer erlitt eine zwei Zentimeter lange Schnittwunde an der Oberlippe, die genäht werden musste. In Steglitz schlug ein 16 Jahre alter Intensivtäter nach einem Streit auf zwei 15- und 16-jährige Schüler ein, wobei der Ältere eine Schädelprellung erlitt und in einer Klinik aufgenommen werden musste.

Vergangenen Montag misshandelte ein Elfjähriger seine Mitschüler auf einem Spielplatz in Wedding und beschoss sie mit einer Softairwaffe. Der Junge hatte von einem elf Jahre alten Mädchen das Taschengeld verlangt; als es sich weigerte, beschoss es der Junge, traf aber ein anderes Mädchen und verletzte es. Zudem zündete er zwei Streichhölzer an und steckte sie einem Zehnjährigen in die Nase.

Zwei Tage später versuchte eine Zwölfjährige, die vermutlich aus Rumänien stammt, in eine Wohnung an der Berolinastraße in Mitte einzubrechen. Die Polizei entdeckte bei dem Kind diverses Einbruchwerkzeug. Am gleichen Tag überfielen zwei etwa elf Jahre alte Jungen einen Gleichaltrigen auf einem Spielplatz in Halensee. Sie schubsten und schlugen das Kind und raubten ihm anschließend seine Halskette.

Am Freitagabend wurden ein 13-jähriges Kind und zwei Jugendliche von einer Gruppe Gleichaltriger auf dem Alexanderplatz verprügelt. Die Opfer erlitten zahlreiche Hämatome und hatten Verletzungen im Gesicht und an den Rippen. Zuletzt wurde am Sonnabend eine 27 Jahre alte Frau von drei etwa 17- bis 19-jährigen Mädchen in der U-Bahn-Linie 9 verletzt. Die Frau war dazwischengegangen, als das Trio wahllos Fahrgäste anpöbelte. Daraufhin schlugen die Mädchen der 27-Jährigen mehrmals ins Gesicht und traten sie.