Kriminalitätsstatistik

Viele Tatverdächtige unter 21 Jahren haben keinen deutschen Pass

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Gilbert Schomaker

Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wird an diesem Montag zufrieden im Berliner Abgeordnetenhaus sitzen. Auf der Tagesordnung des Innenausschusses steht die polizeiliche Kriminalitätsstatistik. Die Verbrechenszahlen sinken in Berlin - so das Ergebnis der Statistik.

475 000 Straftaten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr. Das waren 12 000 weniger als 2009. Dennoch machen sich die Verantwortlichen Gedanken über den Anteil krimineller Jugendlicher.

Während der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung drei Prozent ausmacht, liegt ihr Anteil bei den Tatverdächtigen bei 8,8 Prozent. Ähnlich sehen die Zahlen bei den Heranwachsenden (also von 18 bis 21 Jahre) aus. Zum Vergleich: Bei den Kindern liegt der Anteil an der Bevölkerung bei 11,7 Prozent, bei den Tatverdächtigen liegt der Anteil bei nur 3,9 Prozent. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten der unter 21-Jährigen zwar mit 28 814 um 7,5 Prozent im Vergleich zu 2009 zurückgegangen. Allerdings ist hierfür auch verantwortlich, dass die Zahl der Jugendlichen und Heranwachsenden in Berlin aufgrund der demografischen Entwicklung in den vergangenen Jahren kontinuierlich abnimmt.

Auffällig sind aber andere Zahlen: Danach ist der Anteil der Nichtdeutschen unter den Tatverdächtigen mit 29,6 Prozent deutlich höher als ihr Anteil an der Bevölkerung, der bei 10,9 Prozent liegt. Mit anderen Worten: Überdurchschnittlich viele Tatverdächtige unter 21 Jahren haben keinen deutschen Pass.

Was die Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen aufschreckte, ist vor allem die Brutalität einiger Verbrechen, wie der Überfall auf den 30-jährigen Marcel R. im Bahnhof Lichtenberg, der bis heute unter den Schlägen und Tritten der mutmaßlichen Täter leidet (siehe Text unten). Überproportional häufig fallen jugendliche Täter auch durch besonders schwere Gewalt auf: So gingen 74 Prozent der Raubüberfälle auf Straßen, Wegen und Plätzen auf das Konto der unter 21-Jährigen. Auffällig hoch war auch das Delikt der Sachbeschädigung (54 Prozent) und der gefährlichen Körperverletzung (44 Prozent). Denn insgesamt macht der Anteil der Tatverdächtigen, die jünger als 21 Jahre alt sind, an allen Tatverdächtigen nur 21 Prozent aus.

CDU will mit Sicherheit punkten

Die CDU in Berlin will im Wahlkampf - anders als Grüne, Linke und SPD - das Thema innere Sicherheit mit in den Vordergrund stellen. Für den Spitzenkandidaten Frank Henkel müssen Strafen möglichst schnell auf die Tat folgen, um erzieherische Wirkung zu erzielen. Wichtig sei es, kriminelle Karrieren möglichst früh zu beenden, forderte Henkel. Die CDU in Berlin verlangt schon seit längerer Zeit, die Strafmündigkeit von 14 auf zwölf Jahre herabzusetzen. Zudem sollen besonders auffällige Kinder in geschlossenen Heimen untergebracht werden und damit ihrem möglicherweise kriminellen oder überforderten Umfeld entzogen werden.

Dass das Thema innere Sicherheit in Berlin trotz der zurückgehenden Zahlen in der Kriminalitätsstatistik viele Menschen - gerade auch Ältere - bewegt, zeigte auch die Telefonkonferenz: In dieser wurde Henkel gefragt, was man gegen die Gewalt, vor allem von Migranten, in der U-Bahn machen könne. Er sagte: "Man muss Kriminalität bekämpfen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es einen Migrationshintergrund gibt." Entscheidend sei "null Toleranz" gegenüber Straftätern. Bei einem Wahlsieg will Henkel die Zahl der Polizisten in Berlin um 250 erhöhen.

Dass das Thema Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr, wo besonders häufig Jugendliche als Täter auftauchen, auch beim Regierenden Bürgermeister angekommen ist, zeigt ein Vorschlag, den Klaus Wowereit (SPD) vergangene Woche machte. Für 30 Cent mehr könnten 2000 Wachleute zusätzlich bei der BVG patrouillieren, sagte Wowereit in einem Interview der "BZ". Das Verkehrsunternehmen selbst zeigte sich aber skeptisch. Dort sollen nun Doppelstreifen von Polizei und Wachschützern für mehr Sicherheit in Bussen und Bahnen sorgen.