Bevölkerungswachstum und Klimawandel

UN-Bericht: Familienplanung schützt Umwelt

Kurz vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen hat der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) vor den dramatischen Folgen des Bevölkerungswachstums für den Klimawandel gewarnt.

Je mehr Menschen auf Erden leben, desto mehr Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) setzten sie frei. "Das Bevölkerungswachstum der Vergangenheit ist für 40 bis 60 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich", heißt es im "Weltbevölkerungsbericht 2009", der gestern in Berlin vorgestellt wurde.

1960 lebten drei Milliarden Menschen auf der Erde, heute sind es schon fast sieben Milliarden. Bis 2050 wird die Zahl auf mehr als neun Milliarden steigen. Wenn es jedoch gelingen würde, das Wachstum auf acht Milliarden Menschen zu begrenzen, würden bis zu zwei Milliarden Tonnen CO2 weniger ausgestoßen werden, rechnen die UNFPA-Experten im Bericht vor.

Es sei ein "großes Versäumnis", dass die Bevölkerungsentwicklung in den Debatten über den Klimawandel bislang nicht berücksichtigt wurde, sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, Renate Bähr, der Berliner Morgenpost. In Kopenhagen dürfe nicht nur über Technologien zur Minderung der CO2-Emissionen verhandelt werden. Es müsse auch über Bevölkerungspolitik diskutiert werden. Investitionen in Familienplanung könnten helfen, den Klimawandel zu bewältigen.

Entwicklungsländer stark betroffen

In den Industrienationen sind die Pro-Kopf-Emissionen wegen des hohen Lebensstandards zwar immer noch besonders hoch. In den armen Entwicklungsländern aber wächst die Bevölkerung nach wie vor stark, damit steigen auch die CO2-Emissionen. 41 Prozent der Afrikaner sind jünger als 15 Jahre. Afrika ist damit nicht nur der Kontinent mit der jüngsten Bevölkerung, die Länder südlich der Sahara gehören auch zu den ärmsten der Welt. Doch gerade die Ärmsten der Armen bekommen die Folgen des Klimawandels am stärksten zu spüren. Jahrelange Dürren, der Vormarsch der Wüsten und die Erosion der Böden zwingen sie, ihre Heimat zu verlassen. Umweltveränderungen haben schon 25 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Bis 2050 rechnet der UNFPA mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen. Inzwischen lebt ein Zehntel der Menschheit in küstennahen Regionen. Ein klimabedingter Anstieg des Meeresspiegels könnte im schlimmsten Fall bis zu 650 Millionen Menschen zwingen, sich eine neue Heimat zu suchen. Besonders gefährdet sind Städte wie Jakarta und Mumbai, aber auch New York, Shanghai und Tokio.

Mit dem Anstieg der globalen Temperaturen verschieben sich die Klimazonen und damit die Verbreitungsgebiete bestimmter Krankheiten, die durch Parasiten übertragen werden. So könnten Millionen Menschen zusätzlich an Malaria erkranken. Der Klimawandel sei die größte globale Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts", heißt es im Weltbevölkerungsbericht. Auch an diesem Punkt sieht Bähr die Notwendigkeit, die Investitionen in die Familienplanung zu erhöhen. "Je kleiner die Familien sind, desto gesünder sind Eltern und Kinder und desto besser können sie sich an den Klimawandel anpassen."