Pro & Contra

Ein Rückschritt

Wenn ich als Kind die alten Romane von Enid Blyton gelesen habe, fand ich es seltsam, wie darin von Mädchen und Jungen gesprochen wurde.

Mädchen waren da immer zurückhaltend und durften nicht stark und draufgängerisch sein. Und die Jungs sind in brenzligen Situationen oft vorausgegangen. Mir ist das schon im Grundschulalter als sonderbar aufgefallen, weil ich so einen Sonderstatus nicht kannte. Ende der Achtziger waren Extrabehandlungen für Mädchen schon weitgehend aus der Erziehung verschwunden.

Und jetzt sollen wir wieder damit anfangen? Ich will im Job nicht anders behandelt werden, weil ich eine Frau bin. Das kränkt meinen Stolz. Ich will nicht ohne mein Zutun Förderobjekt werden.

Egal, wie gut eine Chefin dann auch sein mag, wird ihr der Flurfunk nicht schnell das Prädikat "Quotenfrau" verpassen? Und wird es für die Quotenfrau nicht noch schwieriger, für ihre Leistung akzeptiert zu werden? Und wenn ich es dann doch nicht in die Chefetage schaffe, habe ich dann nicht irgendwie doppelt versagt? Diese Bürde braucht die Berufswelt heutzutage nicht auch noch.

Natürlich ist es schwierig, Familienleben und Engagement im Beruf miteinander zu vereinbaren. Aber für Männer doch ebenso - vor allem die jüngeren Generationen haben da andere Ansprüche. Deshalb sollten sich Wirtschaft und Politik um geschlechtsneutrale Karriereförderung bemühen. Um flexible Kinderbetreuung. Um eine Arbeitsatmosphäre, in der man auch mal um 18 Uhr Feierabend machen und trotzdem als Leistungsträger gelten kann. Um sinnvolle Fortbildungen.

Eine Frauenquote wäre ein Rückschritt. Wir sind im Zeitalter der Bundeskanzlerinnen angekommen, Frauen sind mächtig wie nie. Das ist noch ausbaufähig, aber es wäre schade, wenn Mädchen bald in Kinderbüchern lesen, dass sie eine Quote brauchen, um Chefin zu werden.