Lampedusa

Italien warnt vor Flüchtlingsstrom nach Angriffen auf Libyen

Der Ansturm von Flüchtlinge auf die italienische Insel Lampedusa kennt keine Pause mehr. Nachdem in der Nacht zum Montag noch mehr Boote anlandeten, ist die Zahl der Immigranten auf der kleinen Insel auf etwa 4800 hochgeschnellt, wie italienische Medien berichteten.

Damit kommt praktisch auf jeden Insulaner ein Flüchtling. Innerhalb von 24 Stunden erreichten knapp 1500 Flüchtlinge aus Libyen in 13 Booten die Insel. Ein Ende des Exodus ist nicht abzusehen. Seit Jahresbeginn seien knapp 15 000 Flüchtlinge auf Lampedusa angekommen, sagte Innenminister Roberto Maroni. Er warnte davor, dass sich auf dem Weg auch Terroristen einschleusen könnten.

Die meisten der oftmals wenig seetauglichen Boote legen von der tunesischen Küstenstadt Zarzis oder von der Insel Djerba ab. Die Bevölkerung von Lampedusa rebelliert zunehmend gegen die Flüchtlingsflut und fordert ein rasches Handeln der Regierung in Rom. Diese will in den nächsten Tagen eine Vereinbarung mit der neuen Regierung in Tunis treffen, um die Immigrantenwelle aus dem Unruheland einzudämmen.

Das Aufnahmelager auf Lampedusa ist heillos überfüllt. Das Lager ist nur für 850 Menschen ausgelegt. Per Schiff und Luftbrücke sollen die Ankömmlinge von Lampedusa in andere Aufnahmestellen in Italien verlegt werden. Nach dem Sturz des tunesischen Diktators Zine al-Abidine Ben Ali hatten allein Mitte Februar innerhalb weniger Tage mehr als 5600 Menschen aus dem nordafrikanischen Land Lampedusa erreicht. Die nur 20 Quadratkilometer große Insel selbst zählt knapp 5000 Einwohner. Sie liegt lediglich 130 Kilometer von Tunesiens Küste entfernt.

Mit der zunehmenden Zahl an Flüchtlingen stiegen am Sonntag auch die Spannungen auf der Insel. Verärgerte Einwohner versuchten eine Fähre vom italienischen Festland am Anlegen zu hindern, die Zelte und WC-Anlagen für die Flüchtlinge bringen sollte. Sie beklagen, dass die Insel wenige Monate vor Beginn der Touristensaison zu einem Flüchtlingslager geworden sei. Bürgermeister Bernardino de Rubeis versuchte, die Bewohner zu beruhigen, indem er einen Plan ankündigte, nach dem 500 Flüchtlinge pro Tag von der Insel gebracht werden sollen.