Sicherheit

Katastrophen-Plan für Berlins Reaktor

Das Berlin lange Zeit am nächsten gelegene Kernkraftwerk in Greifswald liegt schon seit 1995 still und wird seither zurückgebaut. Ob Polen wirklich sein erstes geplantes Atomkraftwerk 85 Kilometer von der deutschen Hauptstadt entfernt an die Oder bei der Grenzstadt Schwedt baut, ist noch offen.

Aber da ist ja noch der kleine Reaktor im Wald, beim Ortsteil Wannsee im äußersten Südwesten der Hauptstadt.

Die Betreiber des Forschungsreaktors sind bestrebt, angesichts der gestiegenen Sorge um die Sicherheit von Nukleartechnik, Bedenken gegen den Betrieb von Ber II zu zerstreuen. Der Reaktor im Helmholtz-Zentrum, früher Hahn-Meitner-Institut, sei etwas völlig anderes als ein normales Atomkraftwerk, hieß es. Auch sei die Anlage sehr klein. Sie dient auch nicht der Stromproduktion. Die Wissenschaftler gewinnen damit Neutronen, die sie sammeln, zu Strahlen bündeln und für vielerlei Experimente unter anderem in der Untersuchung unterschiedlicher Materialen verwenden.

Der Reaktor wurde 1973 gebaut und zwischen 1985 und 1991 modernisiert. Seine Laufzeit ist nicht begrenzt. Die Anlage hat eine Leistung von zehn Megawatt, die eines normalen Atommeilers sei 400 Mal so hoch, sagen die Betreiber. In Wannsee werden pro Jahr 2,5 Kilogramm spaltbares Uran benötigt, so viel wie in einen kleinen Kartoffelsack passen würde. Atomkraftwerke brauchten 1,5 Tonnen. Allein die Menge der möglichen Quellen für nukleare Strahlung sei deshalb viel geringer. Außerdem fahre die Anlage nicht wie ein Atomkraftwerk unter Druck, die Temperaturen in dem zehn Meter tiefen Wasserbecken, in dem der Reaktorkern stecke, betragen nur 38 Grad Celsius. Gegen Störungen, die ihre Ursache innerhalb des Reaktors haben, sei man deswegen absolut sicher.

Sollte es aus irgendeinem Grund zu einem Stromausfall wie in dem japanischen Katastrophenreaktor kommen, bestehe keine Gefahr. Kontrollstäbe sollen dann mittels Schwerkraft herunterfallen, die atomare Kettenreaktion unterbrechen und den Reaktor somit abschalten. Um die angesichts der niedrigen Temperaturen geringe Abwärme abzuführen, reiche eine Minute. Die Batterien, die im Notfall die Kühlung übernehmen, sind auf einen Betrieb von 20 Minuten ausgelegt. Die internationale Atomenergiebehörde überprüft die Sicherheit jedes Jahr.

Gleichwohl ist ein Störfall auch in Wannsee nicht vollkommen auszuschließen. Ein extremer Flugzeugabsturz, bei dem eine große Maschine genau auf den Reaktor fiele, Hallen und Reaktorbehälter komplett zerstörte und das Kühlwasser auslaufe, wäre auch in Wannsee der Worst Case. Dann besteht die Möglichkeit, dass die Umgebung radioaktiv verstrahlt würde. Für diesen Fall besteht ein Katastrophenschutzplan, der den Anwohnern auch regelmäßig zur Kenntnis gebracht wird. Darin ist unter anderem vorgesehen, Jodtabletten zu verteilen und Menschen zu evakuieren, je nach Schwere des Vorfalls könnte es Zonen im Umkreis von 500 Metern, vier Kilometern oder acht Kilometern betreffen.