Börse

Die Kurse steigen, die Nervosität der Anleger bleibt

Auf den ersten Blick scheinen sich die Gemüter beruhigt zu haben. Der japanische Börsenindex Nikkei hat am Mittwoch um fast sechs Prozent zugelegt und einen Teil der Verluste des Vortages ausgeglichen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) pendelte um die Marke des Vortages. Panik war gestern. Nun herrscht wieder Alltag. Doch dies ist nur der Schein.

Tatsächlich herrscht in Banken und Anlagegesellschaften nach wie vor höchste Nervosität. Nicht nur, dass sie die Macht der Bilder aus Japan im Bann hält. Viele fragen nun auch, ob dies nicht das Menetekel für eine grundlegende Wende an den Finanzmärkten ist, ausgehend von Japan. Denn japanische Investoren waren es bislang, neben den chinesischen, die im Wesentlichen die Defizite in den USA und anderen westlichen Ländern finanzierten. Japan erzielte Überschüsse, sparte und legte das Geld im Ausland an. So funktionierte der Kreislauf.

"Jetzt besteht die reale Gefahr einer Verhaltensänderung in Japan, weil viele Anleger verstärkt im eigenen Land investieren wollen", sagt Steen Jakobsen, Chefökonom der Saxo Bank. "Wenn das passiert, dann bedeutet dies, dass weniger Geld im globalen Kreislauf fließt und der Kuchen des verfügbaren Kapitals kleiner wird."

Die Konsequenz wäre: Sinkende Aktienkurse, sinkende Anleihenkurse und in der Folge steigende Zinsen - all das, was die US-Notenbank seit zwei Jahren mit brachialer Gewalt bekämpft. Zuletzt hatte sie daher im November beschlossen, bis Ende Juni US-Staatsanleihen für 600 Milliarden Dollar (431 Milliarden Euro) zu kaufen, also dieses Geld zu drucken.

Von Juli an sollten andere Investoren die Rolle der US-Notenbank übernehmen. Doch wenn dies nun nicht geschieht, dann ist für Jakobsen klar, was folgt: Die Notenbank druckt einfach weiter Geld und flutet die Märkte. Experten erwarten, dass auch die Europäische Zentralbank ihre geplante Zinserhöhung im April noch einmal überdenkt.

Diese Aussichten scheinen ideal, um die tieferen Niveaus an den Aktienmärkten nun für Nachkäufe zu nutzen. Doch davor warnt Udo Schindler von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. Zu unsicher ist noch die Lage. "Die Entwicklung der Börse hängt kurzfristig davon ab, ob der Wind von Norden oder von Westen weht", sagt er, ob also Tokio von einer Strahlenwolke getroffen wird oder nicht. "Das ist aber keine Grundlage für eine Investmententscheidung."