Energiepolitik

China genehmigt vorerst keine weiteren Atomkraftwerke

Als Konsequenz aus dem schweren Reaktorunglück in Japan stellen inzwischen einige Länder ihre Atompolitik auf den Prüfstand. China setzte die Genehmigung weiterer Kernkraftwerke am Mittwoch aus. Die Sicherheitsstandards in bestehenden und den im Bau befindlichen AKW müssten überprüft werden, hieß es nach einer Kabinettssitzung.

Das Moratorium ermöglicht es, auf Sicherheitsbedenken der Öffentlichkeit einzugehen, ohne die Pläne zu kippen, den Kernkraftanteil an der Energieerzeugung bis 2020 auf einen hohen einstelligen Prozentsatz zu verdoppeln. Ein hoher Regierungsvertreter hatte Anfang der Woche erklärt, dass die Probleme in Japan China nicht vom Ausbau der Kernenergie abhielten. Zurzeit sind 13 AKW in Betrieb.

US-Präsident Barack Obama hält dagegen trotz der angespannten Lage in Japan an der Kernenergie fest. Atomkraftwerke in den USA würden streng überwacht und seien bis zu einem gewissen Grad erdbebensicher, sagte Obama. Er habe die Atomaufsicht beauftragt sicherzugehen, "dass wir unsere Lehren aus den Ereignissen in Japan ziehen und unsere Standards für atomare Sicherheit ständig ausbauen." In den USA ist seit der teilweisen Kernschmelze in Harrisburg 1979 kein einziges neues Atomkraftwerk fertiggestellt worden. Von beinahe drei Dutzend vorgeschlagenen Bauprojekten wurden nur zwei in Angriff genommen.

Venezuela legte seine Atomenergiepläne inzwischen auf Eis. Auch der philippinische Präsident Benigno Aquino lehnte den Einsatz von Kernenergie in nächster Zukunft ab. Indonesien dagegen, das wie Japan stark erdbebengefährdet ist und unter dem Tsunami 2004 gelitten hat, hält an seinen Plänen für den Bau eines Atomkraftwerks mit vier Reaktoren fest.