Tarifkonflikt

Spiel auf Zeit: Verhärtete Fronten und kaum Bewegung in den Verhandlungen

Deutschlands private Bahnbetreiber geben sich trotz der massiven Streiks der Lokführer kämpferisch. "Wir werden als private sechs Unternehmen nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren, solange von der GDL ein Flächentarifvertrag, der für Mitglieder der GDL wie auch der EVG gleichermaßen gelten soll, gefordert wird", sagte Ulrike Haber-Schilling, Arbeitsdirektorin von Deutschlands größtem privatem Bahnanbieter Veolia Verkehr, der Berliner Morgenpost.

"Wir warten darauf, dass die GDL an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir bei Veolia sind bereit, Haustarifverträge weiterzuentwickeln", sagte Haber-Schilling. Die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat sich im Tarifkonflikt gegen die GDL gestellt.

Die Deutsche Bahn kritisierte die Eskalation des Arbeitskampfes und forderte weitere Verhandlungen. Sie wirft den Lokführern vor, trotz der branchenweit besten Bedingungen bestreikt zu werden. Der Konzern legte zudem der GDL ein Angebot vor. Über dessen Höhe machen Bahn und Gewerkschaft aber unterschiedliche Angaben. Die GDL wirft dem Konzern vor, dass die Offerte hinter den vorherigen Verhandlungsstand zurückfällt. Die Bahn weist das zurück. Die Bahn will auch kein neues Angebot vorlegen, dazu bestehe kein Anlass. "Wir haben ein Angebot gemacht und sitzen am Verhandlungstisch, bereit, weiter mit der GDL zu sprechen", sagte ein Bahn-Sprecher.

Gewerkschaft geht aufs Ganze

"Wir haben im Güterverkehr teilweise 90 Prozent zum Stehen gebracht, im Personenverkehr über 80 Prozent. Die Wirkung ist enorm", sagte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky. Es gebe genügend Gründe, für die Ziele der Gewerkschaft zu kämpfen - "auch mit längeren Streiks. Wenn die Arbeitgeber die Auseinandersetzungen weiterhin suchen, so werden wir sie nicht enttäuschen", sagte Weselsky.

Wie der Konflikt gelöst wird, ist offen. "Es gibt zwei Varianten: Wenn die GDL glaubt, die öffentliche Meinung trägt den Arbeitskampf mit, dann wird die GDL auf Zeit spielen", sagt EVG-Chef Alexander Kirchner. "Zweite Variante: Wenn die Stimmung gegen die GDL kippt, dann wird die Lokführergewerkschaft versuchen, sich in eine Schlichtung zu retten. Weselsky spielt die Karte alles oder nichts."

Den privaten Bahnunternehmern scheint vor einer Fortsetzung des Streits mit der GDL nicht bange zu sein. "Benex wird nicht klein beigeben", sagte ein Sprecher. In der Benex GmbH hat die Hamburger Hochbahn AG ihre Beteiligungen an Nahverkehrsunternehmen außerhalb Hamburgs gebündelt. "Wir haben einen Branchentarifvertrag mit der EVG", ergänzte der Sprecher. Den akzeptiert die GDL aber nicht. Sie will einen Flächentarifvertrag aushandeln, der den Lokführern der Privaten die gleichen Löhne bietet wie denen der Deutschen Bahn. Der Flächentarifvertrag soll für den Nah-, Fern- und Güterverkehr gelten. Die Deutsche Bahn hat zwar ebenfalls einen Flächentarifvertrag mit der EVG abgeschlossen. Der Verdienst der Lokführer ist sehr unterschiedlich: Es gibt einzelne Privatbahnen, die zahlen weniger als die DB, laut GDL bis zu 30 Prozent, manche zahlen sogar mehr. Das Einstiegsgehalt innerhalb der Branche inklusive der Deutschen Bahn liegt bei 2500 bis 2700 Euro brutto.