Steigende Benzinpreise

Empörung an Berliner Tanksäulen

Die Unruhen in Libyen und im Nahen Osten treffen nun auch die deutschen Autofahrer. Denn infolge der Proteste stieg heute der Spritpreis weiter und lag in Städten wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main und dem Ruhrgebiet an Markentankstellen bereits bei 1,57 Euro pro Liter Super und 1,45 Euro für Diesel. Damit haben die Benzinpreise rekordverdächtige Sphären erreicht.

Mitte 2008 kostete Superbenzin im Schnitt 1,58 Euro. Der ADAC wagt keine Prognose, ob und wann der Sprit wieder billiger wird. "Die aktuelle Preisentwicklung beim Öl ist mit Logik nicht zu erklären", sagte ein Sprecher des Autoklubs. In Ägypten, Tunesien und im Jemen werde nicht nennenswert Öl gefördert. Im Falle Libyen sei das anders.

Allerdings hätte Saudi-Arabien bereits angekündigt, die entstandene Lücke zu füllen, so der ADAC-Sprecher. In der Tat fiel der Ölpreis danach um fast zehn Dollar. Am Freitagnachmittag kostete das Barrel Rohöl der Sorte Brent (159 Liter) 111,39 Dollar.

Auch leichtes Heizöl hat sich mitten in der spätwinterlichen Kältewelle auf über 83 Cent pro Liter verteuert, den höchsten Stand seit Herbst 2008.

Angesichts der Preisspirale sind die Autofahrer in der Hauptstadt verärgert. "Die Benzinpreise sind einfach unverschämt hoch", sagt Alice Büchele, die am Freitag gemeinsam mit ihrem Freund an einer Tankstelle an der Kreuzberger Prinzenstraße ihren Kleintransporter betankte. Für die Kreuzbergerin ist die Sache klar: "Letztlich spielen die Ölkonzerne doch mit uns. Deshalb fahre ich im Moment überwiegend mit der Bahn und nur noch am Wochenende mit dem Auto."

Sorge um Aufschwung

Taxifahrer Jürgen Becken bringen die hohen Spritpreise dagegen kaum noch aus der Fassung. "Mich wundert gar nichts mehr", sagt er leicht resigniert. Das Ende der Fahnenstange sei noch lange nicht erreicht, glaubt der Friedrichshainer. "Früher haben die Grünen von fünf Mark pro Liter gesprochen. Irgendwann wird das mal Realität sein, erst recht solange der Staat auch so hohe Steuern kassiert. Der Normalbürger wird da doch nur verschaukelt." Die Politik wiederum sorgt sich um die Auswirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft. "Der Ölpreis wird uns massiv betreffen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär für Mittelstand und Tourismus, Ernst Burgbacher (FDP), gestern. Allerdings zeigte er sich zuversichtlich. Zwar könne die Entwicklung beim Öl den Aufschwung in Deutschland leicht drücken. "Aber wir werden das beherrschen." Die Grundlagen des deutschen Aufschwungs seien sehr solide.

Libyen - fünftwichtigster Lieferant von Rohöl für Deutschland - ist einer der größten Erdölproduzenten der Welt und hat mit 5,7 Milliarden Tonnen die größten Reserven in Afrika. Libysches Öl gilt als sehr hochwertig, viel davon wird nach Europa exportiert. Nach Meinung der Grünen zeigt das Drama von Tripolis jedoch, dass an mehr Biokraftstoffen kein Weg vorbeiführt. "Die Erde ist an der Kante", sagt der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell. Wenn bereits durch eine Krise in einem eher kleinen Ölförderland wie Libyen der Ölpreis binnen Kurzem um 15 Dollar steige, zeige dies, wie sehr die Ressourcen sich dem Ende zuneigen. Deshalb gebe es zu mehr Biosprit gar keine Alternative.