Negativschlagzeilen

Universität Bayreuth prüft die Arbeit - und ringt um ihren Ruf

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Tolle Studienbedingungen, hervorragende wissenschaftliche Leistungen, super Campus-Atmosphäre, optimale Betreuung - so werben Studenten für die Universität Bayreuth.

Auch in den Rankings der bundesdeutschen Hochschulen belegen die sechs Fakultäten Spitzenplätze. Doch ausgerechnet ihr Aushängeschild, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), bringt die kleine Universität in die Negativschlagzeilen.

Der Minister selbst versucht, in der Affäre wieder die Oberhand zu gewinnen. Bei einer CDU-Wahlveranstaltung in Hessen hatte der Minister am Montagabend verkündet: Er habe die Universität wegen "gravierender Fehler" in seiner Arbeit gebeten, "die Verleihung meines Doktorgrades zurückzunehmen". Am Morgen danach kam in Bayern dann auch ein Brief mit ähnlicher Formulierung an. Eilends lud die Verwaltung zur Pressekonferenz ein, um sich in aller Öffentlichkeit gelassen und zuversichtlich zu präsentieren.

Der Minister habe "die Sache" mit seinem Brief ja eigentlich zugegeben, sagte Universitätspräsident Rüdiger Bormann. Ob der Adelige seinen akademischen Titel behalten dürfe oder nicht, sei allerdings nicht seine Entscheidung, sondern einzig und allein Sache der Prüfungskommission. Er hoffe aber, dass der Imageschaden für die Hochschule "relativ gering" ausfallen würde. "Denn wir haben sehr schnell und professionell reagiert."

Sorge ums Renommee

Das sieht nun allerdings nicht nur eine skeptische Öffentlichkeit anders, die sich allerorten irritiert fragt, welche akademischen Gutachter um Gottes willen einer solchen Versatzstückarbeit einen "summa cum laude"-Stempel aufdrücken konnten. Auch im Studierendenparlament von Bayreuth gibt es viele bedrückte Mienen. Viele Studenten sorgten sich um den Ruf ihrer Abschlüsse, klagt der Vorsitzende Benjamin Horn. Sie fürchten, bei der Jobsuche benachteiligt zu werden, weil sie in Bayreuth ausgebildet wurden. Dabei sei Guttenbergs "potenzielle Verfehlung" ein "absoluter Einzelfall", sagte Horn.

Absoluter Einzelfall - auf diese Sprachregelung hat sich auch die Uni-Verwaltung verständigt. Fälle wie dieser seien noch nie vorgekommen, noch nie während seiner Amtszeit habe die Prüfungskommission tagen müssen, beteuerte Präsident Bormann. Nun ist diese Feststellung nur bedingt aussagekräftig: Bormann wurde 2009 an die Spitze der Wagnerstadt-Uni berufen. Aber auch der Dekan der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Markus Möstl, versicherte: In Bayreuther Uni-Kreisen kann sich niemand an Vergleichbares oder an die Aberkennung eines Doktortitels erinnern.

Kontrolle nur auf Verdacht

Allerdings räumte Bormann ein, dass in der Bayreuther Rechtsfakultät Doktorarbeiten bisher grundsätzlich nicht auf die Frage hin überprüft wurden, ob Teile womöglich abgeschrieben waren. Computerprogramme zum Aufspüren von Plagiaten würden nur bei "Verdachtsmomenten" eingesetzt. Und das sei beim Bundesminister zu keinem Zeitpunkt der Fall gewesen. Ausschlaggebend sei das "Vertrauensverhältnis" zwischen dem Doktoranden und seinem Betreuer, im Fall der Skandalarbeit der 72-jährige Staatsrechtslehrer Peter Häberle. Der Betreuer vermittle seinem Schützling die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens. "Wenn aber jemand unbedingt betrügen will, dann schafft er das auch", so Bormann.

Zu Guttenberg habe aber "rege" an entsprechenden Oberseminaren seines Professors teilgenommen. "Ich gehe davon aus, dass sich der Betreuer des Ministers regelmäßig der wissenschaftlichen Fortschritte vergewissert hat", sagte Möstl. Wie weit diese Vergewisserung allerdings in der Praxis ging, muss nach wie vor offen bleiben. Denn Professor Häberle, der zu Guttenberg zunächst noch glühend verteidigt hatte, ist nicht zu sprechen. Er sei auf einer "lange geplanten Auslandsreise", sagte Uni-Präsident Bormann. Er habe auch mit Häberle "seit Bekanntwerden der Vorwürfe nicht gesprochen", sagte Bormann zur Überraschung aller. Häberle sei nicht notwendig, um zu überprüfen, ob in der Arbeit wissenschaftlich korrekt zitiert wurde. "Das können auch Dritte."

Auch gegen den Vorwurf, die Universität habe beim Spross der prominenten Adelsfamilie alle Augen zugedrückt, hat sich Bayreuth offensichtlich vorsorglich gewappnet: Es habe "keinerlei Spenden der Familie" gegeben. Nur an einem Punkt stockten Bormann und seine Kollegen sichtlich. Bei der Frage, ob sie der Vertrauensmissbrauch enttäuscht habe. Da mussten sich die Akademiker sichtlich sammeln. Um dann zu betonen, es handele sich um einen "ungewöhnlichen Fall".