GAL-Hamburg

Die Grünen stecken in der Sackgasse

Ihre Enttäuschung konnten die Grünen dann doch nicht verbergen. Sie haben zwar leicht hinzugewonnen, aber keine Chance mehr auf eine Machtoption. "Wir haben kandidiert, um mitzuregieren", sagte Anja Hajduk, die Spitzenkandidatin der Grün-Alternative-Liste (GAL), wie die Grünen in Hamburg heißen.

Am Ende reichte es nicht einmal für zwei Prozentpunkte mehr.

Bei der letzten Bürgerschaftswahl waren die Grünen auf 9,6 Prozent der Stimmen gekommen. Das lag zwar deutlich unter dem bislang besten Ergebnis mit 13,9 Prozent im Jahr 1997. Doch vor drei Jahren hatte die Erwartung eines schwarz-grünen Bündnisses die Begeisterung mancher Stammwähler bereits gedämpft. Da war jetzt eine Verbesserung leicht drin, die die Grünen auf ihrer Wahlparty im "Ballsaal" des Millerntorstadions auf St. Pauli dann auch feierten. An das bundesweite Umfragehoch der Partei vermochten die Hamburger damit aber nicht anzuknüpfen, auch wenn darauf ihr Kalkül gezielt haben mag, als die GAL im vergangenen November aus dem Bündnis mit der CDU ausschied.

So viel Macht wie im Bündnis mit der CDU, in dem sie auch als Juniorpartner das Regierungshandeln maßgeblich mitbestimmten, werden die Grünen auf absehbare Zeit nicht wieder bekommen. "Wir haben zugelegt aus einer schwierigen Situation, wo der ehemalige Koalitionspartner dramatisch verloren hat", kommentierte Grünen-Chef Cem Özdemir. Die Hamburger hätten aber offensichtlich "klare Verhältnisse" gewollt und deshalb SPD gewählt. "Unser Wunsch wäre jetzt Rot-Grün", sagte Özdemir.

Doch die SPD ist auf die Grünen als Bündnispartner gar nicht angewiesen. Das war den Hamburger Grünen schon mit jeder Wahlkampfwoche schmerzlicher deutlich geworden. Je klarer SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz wie der unanfechtbare Sieger dastand, desto stärker wuchs bei der GAL die Angst vor einer absoluten Mehrheit der Sozialdemokraten. Scholz seinerseits ließ kaum eine Gelegenheit aus, die Grünen zu brüskieren.

Die Parteizentrale in Berlin schaut sehr genau auf den Ausgang der Hamburger Wahl. Grünen-Chefin Claudia Roth sprach von einem "ordentlichen Wahlergebnis". In den vergangenen Monaten erlebten die Grünen ein Umfragehoch. Nun steht der Beweis aus, dass sie bei Wahlen auch liefern. Die entscheidenden Abstimmungen stehen noch aus: 2011 sind sie erstmals im Rennen um den Posten des Regierungschefs - in Baden-Württemberg wie in Berlin. Christa Sager, grüne Bundestagsabgeordnete, warnte jetzt: "Aus dem Hamburger Ergebnis lässt sich nichts für den Bund ableiten."