Bürgerschaft

Ein liberales Lebenszeichen

Es war ein kurzer, nicht euphorischer, aber doch selbstbewusster Jubel am Abend im "Elbhof" am Hamburger Hafen. 6,5 Prozent, das war die erste Prognose, die bei der FDP-Wahlparty zwar viele erhofft, aber nicht unbedingt für möglich gehalten hatten. Der Trend bestätigte sich mit den Hochrechnungen.

Damit ist man nach siebenjähriger Abstinenz wieder in der Bürgerschaft, da kann man schon mal ein Gläschen Sekt trinken.

Katja Suding, die Spitzenkandidatin, beließ es dennoch erst mal bei einer Tasse Tee. Eine Erkältung hatte ihr zugesetzt in den letzten Tagen des Wahlkampfs. Also auch nur eine kurze Rede. Lob der Partei, Lob dem engagierten Wahlkampf, schließlich ein kleines, verstecktes Lob auch für sich selbst: "Wer hätte das vor zwei Monaten wohl gedacht?" fragte sie ihre Parteifreunde. "Wir kommen ja von einer ganz anderen Basis, und da sind wir froh, dass wir es überhaupt geschafft haben."

Dass die Hamburger Liberalen feiern dürfen, hat sie tatsächlich vor allem Katja Suding und ihrem recht beachtlichen Wahlkampfbudget zu verdanken. Die 35-jährige PR-Beraterin lächelte den Hamburgern an jeder Ecke, zuletzt auch aus allen Tageszeitungen so strahlend und gewinnend entgegen, dass die inhaltliche Blässe der Elbliberalen ganz in Vergessenheit geriet.

Sudings Karriere in der FDP wird nach diesem für die Hamburger Liberalen glänzenden Ergebnis kaum noch etwas im Wege stehen. Denn Guido Westerwelle, der viel geplagte Vorsitzende, wird der Kandidatin sehr, sehr dankbar sein für diesen gelungenen Start ins Superwahljahr. Der Achtungserfolg kann Signalwirkung haben - für die nächsten Wahlen in Sachsen, Rheinland-Pfalz und Baden Württemberg. Und so adelte Westerwelle das Ergebnis zum "Auftakt nach Maß". "Es zeigt, dass die FDP, wenn sie kämpft wie seit Drei-König, gute Ergebnisse erzielen kann", sagte Westerwelle, dessen Partei nun wieder in allen 16 Landtagen vertreten ist.