Wahlverlierer

Ahlhaus halbiert die CDU - ein Bürgermeister ohne Fortune

Bereits um 18.20 Uhr trat Christoph Ahlhaus vor seine Leute, viel eher als geplant: Das sei eine "herbe Niederlage für die Hamburger CDU", man befinde sich in einer "Stunde der Ratlosigkeit", sagte er. "Schmerzhaft" sei dieses Ergebnis - man werde nun sehr genau analysieren müssen, wie es dazu kommen konnte.

Eine erste Antwort - seine Antwort - lieferte Ahlhaus allerdings bereits Sekunden später: "Es war falsch, den Grünen zu weitgehende Zugeständnisse zu machen." Das, so Ahlhaus' Erkenntnis, habe die Stammwähler der CDU enttäuscht. Der Hauptschuldige am schlechtesten Ergebnis, das die Christdemokraten an der Elbe jemals einfuhren, also sein beliebter Vorgänger Ole von Beust?

Tatsächlich hatte Ahlhaus es von Beginn an nicht leicht. Als Beust, der 2004 in der einstigen SPD-Trutzburg Hamburg erstmals die absolute Mehrheit für die CDU holte und 2008 die erste schwarz-grüne Koalition auf Landesebene formte, vorzeitig zurücktrat, hinterließ er kein bestelltes Haus. Im Gegenteil: Am Tag seines Rücktritts wurde auch das Ergebnis des Volksentscheids gegen die Schulreform bekannt gegeben. Mit großer Mehrheit hatten die Hamburger die von CDU und Grünen angestrebte Einführung einer sechsjährigen Primarschule abgelehnt. Vor allem in der CDU-Wählerschaft war diese Reform stets auf Ablehnung gestoßen. So stand Ahlhaus vor einem Spagat: Einerseits musste er die Wunden in der CDU heilen und mehr Gewicht auf das vernachlässigte konservative Profil legen. Zugleich verlangten die Grünen, die den früheren Innensenator stets als Hardliner wahrgenommen hatten, dass er den liberalen Großstadtpolitiker gibt. Das Vorhaben misslang: Ende November kündigten die Grünen die Koalition auf. Der vorzeitige Bruch ließ Ahlhaus' Wahlchancen schrumpfen. Nun war die Zeit zu kurz, um sich einen Amtsbonus zu erarbeiten. Ahlhaus hatte schlechte Karten - und dann spielte er auch noch schlecht.

Mangel an Feingefühl

Bereits kurz vor Ende der Koalition hatte er sich mit seiner Frau für die Illustrierte "Bunte" wie ein Schlossherr in einem Luxushotel ablichten lassen. So etwas gilt in Hamburg, wo selbst der berühmteste Bürger Helmut Schmidt im Reihenhaus wohnt, als "unhanseatisch" - eines der schlimmsten Attribute, die man hier vergeben kann. Nun wurde häufiger erwähnt, dass Ahlhaus Süddeutscher sei. Bereits zuvor hatte er bewiesen, dass ihm bisweilen das Feingefühl fehlt: Er hatte als Innensenator seinen Dienstwagen nach Paris beordert, um mit seiner Frau durch die Stadt zu fahren. Er kaufte eine Villa an der Elbe und ließ diese für etwa eine Million Euro auf Steuerzahlerkosten sichern - mehr Geld, als in den zurückliegenden Jahren für sämtliche Sicherungsmaßnahmen des Senates geflossen war. Dazu verlor Ahlhaus viel politische Glaubwürdigkeit: Plötzlich lehnte er die mit den Grünen propagierte Wiedereinführung der Straßenbahn ab. Er machte eine Kehrtwende in der Hafenpolitik und tat so, als stehe die CDU für den Schutz der Gymnasien. Das wirkte hilflos - auch Konservative liefen in Scharen zu Olaf Scholz über. Daran konnte auch die gefühlt tausendste Wurst nichts mehr ändern, die Ahlhaus am Sonnabend auf einem Hamburger Wochenmarkt verspeiste. Es war seine letzte Bürgermeisterwurst.