Hintergrund

"Rubygate" und die anderen Affären des Premierministers

Ruby hatte Mitleid mit dem alternden Mann. "Er ist allein und kämpft gegen die Einsamkeit", sagte sie über Silvio Berlusconi einmal. Mit der Marokkanerin Ruby, eine Nachtklubtänzerin, die eigentlich Karima El Mahroug heißt, soll der Premier bezahlten Sex gehabt haben, als sie noch minderjährig war.

Ruby selbst bestreitet, mit Berlusconi Sex gehabt zu haben. Allerdings räumte sie ein, sie habe nach einer Party auf dem luxuriösen Anwesen des Medientycoons in Arcore bei Mailand mindestens 7000 Euro erhalten.

In Anlehung an die Watergate-Affäre, die US-Präsident Richard Nixon zu Fall brachte, sprachen Medien von "Rubygate". Der Kontakt zu Ruby soll im Oktober 2010 stattgefunden haben - und auch drei andere angebliche Sexaffären zu jungen Frauen lassen sich zeitlich einordnen: Im Mai 2009 besucht Berlusconi die Geburtstagsparty des 18 Jahre alten Models Noemi Letizia. Es gibt Gerüchte über eine Beziehung, Berlusconis Frau Veronica Lario lässt sich scheiden. Im Juni 2009, so berichtet die Prostituierte Patrizia d'Addario, soll Berlusconi ausschweifende Partys in seiner Residenz in Rom gefeiert und Frauen für Geschlechtsverkehr bezahlt haben. Und im Januar 2011 tauchen Details über ein mögliches Verhältnis zu der minderjährigen Iris Berardi auf. Die brasilianische Prostituierte soll Partys in Berlusconis Wohnungen in Mailand und auf Sardinien besucht haben.

Als Kandidatinnen der Regierungspartei für die Europawahl 2009 schlug Berlusconi drei junge Schönheiten vor: eine ehemalige TV-Ansagerin, eine Fernsehschauspielerin und eine Sängerin - "Schamlose Luder im Dienst der Macht", kommentierte seine damalige Ehefrau. Und 2005 behauptete Berlusconi, der sich selbst bereitwillig als "Sünder" bezeichnet, er habe die finnische Präsidentin Tarja Halonen mit seinem Charme bezirzt, um den Zuschlag für eine neue EU-Behörde zu bekommen.