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Sehnsuchtsort Europa

Flucht aus Afrika Laut der Internationalen Organisation für Migration in Genf stammen bisher zwei Drittel aller Bootsflüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara, vor allem aus Westafrika (siehe Grafik). Die Reise durch Afrika bis zum Mittelmeer ist beschwerlich und kann sehr lange dauern. Nur ein Drittel soll bisher aus den Maghreb-Staaten kommen. Doch das scheint sich in diesen Tagen zu ändern. Mit dem Ende des Regimes Ben Ali in Tunesien ist ein Machtvakuum entstanden, die Polizeikontrollen in den Häfen sind nicht mehr so hart.

Zahlen Im Jahr 2010 kamen 4348 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien, 2009 waren es noch 9573; 2008 sogar 36 000 - zugleich starben 525 Flüchtlinge bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Zudem kommen Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Spanien, Malta und Griechenland. In Spanien waren es 3632 im Jahr 2010 (2009: 7285). Auf Malta waren es 28 Flüchtlinge im Jahr 2010 (2009: 1470). Und nach Griechenland kamen 1765 Flüchtlinge im Jahr 2010 über den Seeweg (2009: 10 165).

Wohlstand Für die Flüchtlinge ist Europa ein Sehnsuchtsort, der Wohlstand und Sicherheit verspricht. Das Durchschnittseinkommen pro Kopf und Jahr beträgt in Tunesien 2800 Euro. Das mittlere Bruttoeinkommen von Vollzeitbeschäftigten liegt in Deutschland mehr als zehn Mal höher: bei über 33 000 Euro im Jahr. Um in die Nähe solcher Verdienstmöglichkeiten zu gelangen müssen Flüchtlinge fast zwei Drittel eines durchschnittlichen Jahresgehalts in Tunesien aufbringen. Menschenschmuggler verlangen mindestens 2000 Euro pro Flüchtling.

Lampedusa Die 20 Quadratkilometer große felsige Insel Lampedusa ist ein Hauptanlaufpunkt für Bootsflüchtlinge aus Afrika. Sie liegt rund 200 Kilometer südlich von Sizilien im Mittelmeer. Vom nordafrikanischen Tunesien aus sind es auf dem kürzesten Weg nur 138 Kilometer Seeweg bis zur Insel Lampedusa.