Gedenken

Dresdner setzen ein klares Zeichen gegen Rechtsextremismus

Mit stillem Gedenken an die bis zu 25 000 Opfer und einer dichten Menschenkette gegen einen geplanten Neonaziaufmarsch wurde in Dresden am Sonntag der Zerstörung der Stadt durch alliierte Luftangriffe vor 66 Jahren gedacht. Mehrere Hundert Menschen nahmen an der traditionellen Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof teil, wo viele Bombenopfer ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

"Gerade hier bekennen wir: Dresden will Versöhnung, und Dresden lebt Versöhnung", sagte Bürgermeister Detlef Sittel (CDU). Er rief dazu auf, jedem extremistischen Versuch entgegenzutreten, aus dem Schicksal der Stadt politisches Kapital zu schlagen. Kränze und Blumen seien Zeichen der Trauer und der Hoffnung, "dass nie wieder geschehe, was einst geschah".

Mit einer Menschenkette symbolisierten wenig später schätzungsweise rund 17 000 Bürger ihren Widerstand gegen den geplanten Aufmarsch von Neonazis am Nachmittag. Alte und junge Menschen mit einer weißen Rose am Revers strömten an die Treffpunkte, Lücken schlossen sich schnell. Teilweise standen die Teilnehmer in Zweier- und Dreierreihen. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Landtagspräsident Matthias Rößler sowie Bundespolitiker reihten sich ein. Beim Glockenläuten aller Dresdner Kirchen um 14 Uhr war die Kette, die auch an der Synagoge entlang über zwei Elbbrücken führte, für zehn Minuten geschlossen und damit symbolisch ein Ring um die Innenstadt gelegt. Der Verkehr kam währenddessen zum Erliegen.

"Die Dresdner verteidigen ihr Gedenken", sagte de Maizière. Die Menschenkette sei der Versuch, Dresden von den Demos wieder zurück zum stillen Gedenken zu bringen. Auch Tillich zeigte sich "tief überzeugt" von der nach 2010 zum zweiten Mal organisierten Aktion. "Die Dresdner haben erneut deutlich gemacht, dass die Stadt ihnen gehört und kein Platz für Rechtsextreme ist", sagte er. "Wir werden nicht zulassen, dass der Gedenktag von alten und neuen Nazis missbraucht wird", erklärte Bürgermeister Sittel.

Ein Großaufgebot der Polizei sorgte für Sicherheit. Die Strecke am Hauptbahnhof, auf der die Neonazis marschieren wollten, war weiträumig abgesperrt. Am Bahnhof fuhren gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer auf, Gleise und S-Bahnen wurden kontrolliert, und Beamte mit Hunden liefen Streife. Die Polizei sieht indes deutliche Unterschiede zu 2010, als ziviler Ungehorsam den Aufzug von 6400 Neonazis verhinderte. Es verdichteten sich Hinweise, dass diesmal nur regional mobilisiert worden sei, sagte ein Sprecher.