Ägypten

Stabübergabe in Kairo: Der loyale Suleiman übernimmt

Husni Mubarak hat einmal gesagt, er wolle so lange "seine Verantwortung übernehmen" wie sein Herz schlage. Jahrzehntelang präsentierte er sich als gutmütiger und rastloser Präsident, dem die Sicherheit und Stabilität seines Landes und das Wohlergehen des Volkes am Herzen liegt.

So lang wird es wohl nicht werden. Am Donnerstagabend bestätigte er erneut, im September nicht erneut für das Amt antreten zu wollen. Zurücktreten aber wollte er nicht. Er werde lediglich die Geschäfte an seinen Vizepräsidenten Omar Suleiman übergeben.

Einen Neuanfang verkörpert Suleiman keinesfalls: Der langjährige Geheimdienstchef ist gerade acht Jahre jünger als Mubarak und stand ihm lange Zeit als engster Vertrauter zur Seite. Vor nicht einmal zwei Wochen machte Mubarak ihn zum Vizepräsidenten - eine Position, die Mubarak vorher nie besetzt hatte. Suleiman ist der Wunschkandidat der USA und Israels als Präsident, beide schätzen ihn als verlässlichen Gesprächspartner und Kämpfer gegen den islamistischen Terrorismus. Der 1936 in einer oberägyptischen Kleinstadt geborene Suleiman ist in der ägyptischen Armee angesehen, er nahm an drei Kriegen teil und gilt als Militärstratege. An der Universität Kairo studierte er Politikwissenschaft. Suleiman ist gesundheitlich leicht angeschlagen, er wurde mehrfach am Herzen operiert.

Damit ist die Ära Mubarak noch immer nicht zu Ende. Seine Unterstützer führen als Leistungen an, dass er das Land nach dem Attentat auf seinen Vorgänger Anwar al-Sadat 1981 vor dem Chaos bewahrte. Er hielt Ägypten aus Kriegen heraus und baute nach dem Friedensschluss mit Israel 1979 die Beziehungen zu anderen arabischen Nationen neu auf. Nach langem Zögern erlaubte er auch die Öffnung der ägyptischen Wirtschaft. Das System blieb korrupt und autoritär, den Ägyptern blieb eine echte Bürgerbeteiligung versagt. Bei der Präsidentenwahl 2005 wurden erstmals mehrere Kandidaten zugelassen. Doch bei der Parlamentswahl 2010 gab es laut Menschenrechtsgruppen so viele Unregelmäßigkeiten wie nie zuvor.

( rtr;phn )