Interview

Telekom-Vorstand fordert anderes Führungsverständnis

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Thomas Sattelberger ist Personalvorstand der Deutschen Telekom. Mit ihm sprach Ileana Grabitz über neue Familienfreundlichkeit in der Arbeitswelt.

Berliner Morgenpost: Im Sinne einer Work-Life-Balance müssen Mitarbeiter der Telekom nach Feierabend keine Mails beantworten. Wie leicht fällt Ihnen das?

Thomas Sattelberger: Ich war es - wie viele Manager meiner Generation - zeit meines Berufslebens gewohnt, die ständige Verfügbarkeit meiner Mitarbeiter vorauszusetzen. Diese Politik hat viele von uns ja auch ein Stück erfolgreich gemacht. Umso schwerer fällt es, diese Routine zu verlernen. Aber wenn immer ich heute am Wochenende eine Mail schicke, bin ich mir sehr bewusst, dass dies eine Kaskade weiterer Mails auslöst, und um diesen Bewusstseinswandel geht es uns.

Berliner Morgenpost: Die ständige Verfügbarkeit, sagen Sie, habe zum Erfolg beigetragen. Heißt Familienfreundlichkeit auch, beim Erfolg Abstriche zu machen?

Thomas Sattelberger: Das kommt auf die Definition von Erfolg an. Die Krise hat uns doch gerade vor Augen geführt, dass der auf kurzfristigen Kriterien basierende Erfolg uns nicht weiterbringt. Um nachhaltigen Erfolg zu haben, müssen wir ein Führungsverständnis entwickeln, dass auf einem neuen Menschenbild basiert und von mehr Respekt vor den Mitarbeitern getragen ist als bislang. Wir brauchen dringend eine Diskussion darüber, ob Firmen sich weiter als künstliche Implantate innerhalb der Gesellschaft verstehen oder als integrierte Bestandteile, die auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Ich bin fest der Ansicht, es muss Letzteres sein.

Berliner Morgenpost: Kann die gesetzliche Quote helfen, den Prozess zu beschleunigen?

Thomas Sattelberger: Eine freiwillige Leistungsbereitschaft der Unternehmen ist immer besser, als sie in gesetzliche Fesseln zu legen. Allerdings warten wir schon Jahrzehnte, ohne dass etwas passiert. Die Wirtschaft hier in Deutschland sollte die derzeitige Diskussion also als wirklich letzte Chance begreifen, ihre Häuser konsequent in Ordnung zu bringen und im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung einer staatlichen Regulierung zu entgehen.

Berliner Morgenpost: Sie selbst wollen die Zahl weiblicher Führungskräfte bis 2015 auf 30 Prozent steigern. Sind Sie nervös?

Thomas Sattelberger: Nein, in dem knappen Jahr seit Einführung der Quote haben wir deutliche Fortschritte gemacht. Konzernweit würde ich uns die Note "gut bis befriedigend" ausstellen. In Deutschland kommen wir leider etwas weniger schnell voran: Da reicht es bislang nur für eine "Drei plus". Aber wir schaffen das!