Frauenquote

"Es wäre naiv, einfach so weiterzumachen"

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Frauen, die so gut sein wollen wie ein Mann, haben einfach nicht genug Ehrgeiz" - von dem Fatalismus, der in diesem Stoßseufzer steckt, möchte ich mich nicht anstecken lassen. Besser, wir packen das Problem an.

Und ein Problem, ja, das haben wir - wir alle in Deutschland, nicht nur die betroffenen Frauen! Länder wie Norwegen, Spanien und Frankreich haben die 40-Prozent-Frauenquote in den Gremien großer Unternehmen längst eingeführt. Ich bin der Meinung, auch in Deutschland brauchen wir eine vergleichbare Regelung, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen deutlich zu erhöhen.

Es ist fast zehn Jahre her, dass die damalige Bundesregierung mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft vereinbarte, die Karrierechancen von Frauen signifikant zu verbessern. Der Erfolg zehn Jahre später? Gerade einmal um ein lächerliches Prozent ist der Anteil weiblicher Führungskräfte seither gestiegen. Dabei machen Mädchen durchweg die besseren Abiturprüfungen, 52 Prozent der Studierenden in Deutschland sind weiblich, der Frauenanteil bei den Promotionen lag zuletzt bei 44 Prozent. Bei den Habilitationen aber sind es dann nur noch rund 24 Prozent, und nur 18 Prozent schaffen es auf eine Professur.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat festgestellt, dass im vergangenen Jahr der Frauenanteil in den Vorständen der größten 200 Unternehmen bei lediglich 3,2 Prozent lag. 877 der insgesamt 906 Vorstandsposten sind also von Männern besetzt. In den größten 100 Betrieben sowie in den 30 Dax-Unternehmen gab es sogar nur 2,2 Prozent Frauen in Top-Positionen. Weltweit werden zwei Drittel der Arbeit von Frauen erledigt, die Hälfte der Lebensmittel wird von Frauen produziert. Dennoch verdienen Frauen nur zehn Prozent des weltweiten Einkommens und besitzen nur etwa ein Prozent des Eigentums. Und noch eine Tatsache ist skandalös - dass Frauen für exakt die gleiche Tätigkeit hierzulande um bis zu 23,2 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Das ist beschämend für eine aufgeklärte und international agierende Wirtschaftsnation. Man muss keine "Kampfhenne" sein, um diesen Zuständen nicht länger tatenlos zusehen zu wollen. Denn nicht nur für die Frauen gilt es etwas zu tun, nein, es sprechen auch handfeste wirtschaftliche Gründe für eine deutliche Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen. Studien belegen eindeutig, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in verantwortlichen Positionen ein signifikant besseres Ergebnis erzielen als solche, die glauben, ohne Frauen auskommen zu können.

Wir wissen, dass die Produktivität in gemischten Teams steigt. Sicher, die Gründe für den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen sind vielfältig. Nach wie vor gelten gewisse Rollenzuschreibungen und Vorurteile. Hinzu kommen Faktoren wie etwa die Berufswahl von Frauen, wie die Unterbrechung der Karriere wegen Kindererziehung, dann die Probleme beim Wiedereinstieg und nicht zuletzt die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dem müssen wir mit einer klugen Familien- und Bildungspolitik begegnen wie sie Ursula von der Leyen in der vergangenen Legislaturperiode mit Elterngeld und Verbesserung der Kinderbetreuung so erfolgreich gestartet hat. Aber das reicht nicht, denn verstärkt durch den demografischen Wandel sinkt die Zahl geeigneter Bewerber für Führungspositionen.

Gerade aufgrund dieser demografischen Entwicklung können wir es uns nicht länger leisten, auf die Potenziale der Frauen zu verzichten. Ich selber bin im Beruf immer wieder von Männern gefördert worden. Das aber gilt offenbar nicht für viele Frauen. Und da, wo die berühmte Freiwilligkeit in der Vergangenheit keinerlei Wirkung zeigte, sollten wir mit Druck über eine Quote den Frauen, der Wirtschaft und so der Gesellschaft zu ihrem Glück verhelfen.

Staatlichen Dirigismus sollte es in der Wirtschaft eigentlich nicht geben - das ist sicher ein wichtiges Motiv für die Bundeskanzlerin, wenn sie meint, dass zurzeit eine gesetzlich festgelegte, einheitliche Frauenquote in der Wirtschaft mit den Koalitionspartnern FDP und CSU nicht durchzusetzen sei. Aber einfach nur weiter auf die Selbstverpflichtung zu setzen halte ich nach den bitteren Erfahrungen der letzten zehn Jahre für naiv. Und das immer wieder zu hörende Gegenargument der Damen selbst, im Falle einer Quote unter den Generalverdacht zu geraten, sie seien ja nur in dem Job, weil sie ein Kostümchen tragen, ist doch Unsinn. Wenn ich die Wahl hätte, entweder als "Quotenfrau" beschimpft zu werden oder gar nicht erst in die Position zu kommen, wähle ich lieber die Quotenfrau. Wer selbstbewusst ist, wird dummes Geschwätz widerlegen. Sonst warten viele kluge Frauen noch weitere zehn Jahre in den Vorzimmern der Personalchefs.