Kommunikation

Volksaufstand 2.0 - Google hilft ägyptischer Opposition

Noch nie in der Geschichte des Internets wurde ein Land so radikal vom Netz getrennt wie jetzt Ägypten. Die Internetprovider des Landes kappten am Freitag in einer konzertierten Aktion alle Verbindungen in das weltweite Netzwerk.

Nur die Noor Group, die auch die Börse in Kairo mit der Außenwelt verband, blieb zunächst online. Doch inzwischen wurde auch diese Verbindung getrennt. Als sich am Dienstagvormittag der "Marsch der Million" formierte, funktionierten immerhin noch die Mobilfunknetze, die bei der ersten Protestwelle in der vergangenen Woche abgeschaltet worden waren.

In Sachen Telekommunikation ist Ägypten kein Entwicklungsland, sondern eine moderne Volkswirtschaft. Von den 80 Millionen Ägyptern besitzen schätzungsweise 55 Millionen ein Handy, etliche von ihnen auch ein Smartphone mit Videokamera. "Jetzt, wo die Leute auf der Straße sind, knipsen und filmen sie sich gegenseitig, was die Speicherkarte hergibt", schreibt der freie Journalist und Blogger Richard Gutjahr, der sich auf eigene Faust nach Kairo aufgemacht hat, um in seinem Blog live von der Revolution in Ägypten zu berichten.

Im Vorfeld des Volksaufstandes am Nil spielte das Internet die Rolle eines Katalysators, gerade bei jungen Leuten. Da es im Alltag nur wenig Freiräume für eine kritische Diskussion gab, liefen die heißen Debatten in Blogs und in Online-Netzwerken wie Facebook und Twitter ab. Auch bei der praktischen Organisation von Protestaktionen spielten Twitter und Facebook eine wichtige Rolle.

Unterdessen hilft der Internetgigant Google der ägyptischen Opposition bei der Kommunikation. Wie Google in seinem Firmenblog am Montag mitteilte, soll es möglich sein, per Telefonanruf zu twittern. Die Nachricht müsse als Voicemail bei den internationalen Rufnummern +1 650 419 4196, +39 06 62 207 294 oder +97 316 199 855 hinterlassen werden. Die Nachrichten würden dann mit dem Schlagwort "egypt" augenblicklich bei Twitter veröffentlicht. Sie können über dieselbe Nummer empfangen oder über twitter.com/speak2tweet gehört werden. Nach Google-Angaben arbeitet eine kleine Gruppe von Experten von Twitter, Google und SayNow, einer Firma, die Google in der vergangenen Woche gekauft habe, an dem Service. Google schreibt in seinem Blog weiter, dass das Unternehmen hoffe, den Menschen in Ägypten in dieser sehr schwierigen Zeit bei ihrer Kommunikation helfen zu können.