Polizei soll Ägyptisches Museum geplündert haben

Die langjährige Direktorin des Ägyptischen Museums in Kairo, Wafaa al-Saddik, hat das Wachpersonal und Polizisten für die Plünderungen in der Kunstsammlung während der Unruhen verantwortlich gemacht. "Das waren die Wächter des Museums, unsere eigenen Leute", sagte al-Saddik dem "Tagesspiegel".

Einige der Polizisten hätten offenbar vorher ihre Jacken ausgezogen, "um nicht als Polizisten erkennbar zu sein". Eine zweite Gruppe der Täter sei von hinten über eine Feuerleiter durch die Dachfenster eingestiegen. Die Zerstörungen seien allesamt im ersten Stockwerk angerichtet worden, wo sich auch der berühmte Schatz des Tutanchamun befindet.

"Es sind sehr viele Figuren auf den Boden geworfen und zerstört worden, darunter auch Götterfiguren aus dem Schatz des Tutanchamun", sagte al-Saddik. Die Plünderer hätten mehrere pharaonische Schmuckstücke gestohlen. Auch der neue Anbau mit dem großen Andenkengeschäft, der erst im November eröffnet worden war, sei "total ausgeraubt", sagte al-Saddik, die von 2004 bis Ende 2010 Direktorin des Museums war.

Auch zwei Mumien aus der Pharaonenzeit wurden bei einem versuchten Diebstahl schwer beschädigt. Gemeinsam mit Sicherheitskräften hätten Demonstranten die Diebe schließlich ergriffen, sagte der Chef der ägyptischen Altertümerverwaltung, Sahi Hawass. Die Mumien seien zurück ins Museum gebracht worden, seien aber beschädigt. Was mit den Dieben geschah, war zunächst unklar.

Dutzende Bürger hatten am Samstag eine Menschenkette um das Ägyptische Museum gebildet, das eine der berühmtesten und wertvollsten Antikensammlungen der Welt beherbergt, um Plünderungen zu verhindern.