Ägypten

Touristen zwischen Neugierde und Unsicherheit

Wolfgang und Henriette Sadowski wollten am 3. Februar eigentlich in den Urlaub starten. Die Rundreise hatte das Ehepaar schon vor Monaten gebucht, da war die Krise nicht absehbar. Mit dem Schiff sollte es von Luxor bis Assuan gehen, dann wollten die Senioren in einem Hotel in Hurghada entspannen.

Seit einigen Tagen verfolgt das Ehepaar aus Wilmersdorf die Ereignisse in Kairo. Sie sahen, dass Touristen an Flughäfen übernachten mussten, hörten von der Ausgangssperre, die in den letzten Tagen im Land verhängt wurde.

"Reisende kommen teilweise von den Schiffen nicht mehr runter", sagt Sadowski. Das habe er im Radio gehört. "Wir sind zu alt, uns dieser Gefahr auszusetzen", sagt Wolfgang Sadowski. In der letzten Woche versuchte er, die Pauschalreise beim Anbieter Schauinsland Reisen zu stornieren. Doch das war gar nicht so leicht, eine Umbuchung wurde ihnen vorgeschlagen. "Wir werden wohl nur 65 Prozent des Reisepreises zurückerhalten", sagt Sadowski. Er ärgert sich, weil Außenminister Guido Westerwelle keine offizielle Reisewarnung ausspricht, so wie Österreich und Luxemburg das formal getan haben. Das würde seine Chancen einer vollen Rückerstattung der bezahlten 2382 Euro erhöhen.

Flüge storniert

Die, die ihre Reise antreten wollen, werden sich täglich neu erkundigen müssen. Am Sonntag stornierte Egypt Air zwei Kairo-Flüge. Aus Hurghada flog die Koral Blue Touristen in die Hauptstadt zurück, aber mit einer mehrstündigen Verspätung. An Berliner Flughäfen rechnet man auch in den kommenden Tagen mit Einschränkungen, ein Sprecher empfiehlt, auch bei den Airlines direkt nachzufragen. Die Krise ist auch in solchen Touristenorten angekommen, die mehrere Hundert Kilometer von Kairo entfernt liegen.

Etwa bei Gästen des "Grand Hotels" in Hurghada. Ihnen wurde geraten, sich an die mehrstündigen Ausgangssperren zu halten. "Wir sehen hier, wie die Demonstranten über die Straßen ziehen und wie sie ihre Parolen rufen", sagt eine deutsche Gästebetreuerin. Die Sächsin zog vor einigen Jahren nach Ägypten, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, sie hofft, dass sich die Lage schnell beruhigt. Touristen seien erstaunt bis neugierig, blieben aber bislang gelassen. "Sie beobachten die wütenden Ägypter aus den Hotelzimmern, machen Fotos." Bis jetzt sei es friedlich geblieben. "Die Touristenpolizei ist im Ort sehr präsent. In Scharm al-Scheich, so schien es am Sonntag, schien sich die Lage zuzuspitzen, dort rückte Augenzeugen zufolge die ägyptische Armee zum Ferienort vor. Im Camel Dive Club am Sinai zeigte man sich angesichts dieser Nachrichten gelassen. "Da wird vieles aufgebauscht, kleinere Streitereien werden dramatischer dargestellt, als sie sind", sagt der Schweizer Miki Clark. Er sei dennoch zum Tauchen rausgefahren, von Touristen, die eher abreisen, hat er noch nichts gehört.