Info

Ein Land hängt sich vom Internet ab

Zensur In Ägypten hat die Internetzensur eine bislang nicht gekannte Dimension erreicht. Das Land ist seit der Nacht zu Freitag weitgehend vom Netz getrennt, die viel genutzten Kommunikationswege für die Bevölkerung sind gekappt. Rund 90 Prozent des ägyptischen Netzes seien inzwischen offline, meldete die Monitoring-Site BGPmon.net . Das Besondere daran ist diesmal, dass fast alle Internetprovider in Abstimmung miteinander ihre Zugänge gesperrt haben.

Filter Internet-Zugangssperren haben in Ländern wie China oder Iran bereits traurige Tradition. Dort seien bislang in der Regel Filter eingesetzt worden, um bestimmte Inhalte zu blockieren, sagte Michael Horn vom Chaos Computer Club. Durch die Nutzung von Anonymisierungsdiensten seien aber diese Filter nicht mehr so richtig wirksam. "Hier hat man nun zu drastischeren Mitteln gegriffen." Die Kommunikation nach innen wie nach außen sei gekappt. Nur die Leitung der Börse funktioniere noch. Das Mobilfunknetz ist weitgehend offline.

Programmierung Der Datenverkehr über das Internet lässt sich vergleichsweise einfach lahmlegen. Die Provider müssten nur bestimmte Software-Protokolle auf ihren Routern, den Verkehrsknotenpunkten des Netzes, einspielen, erklärte Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur der Computer-Fachzeitschrift "c't". Mit einem entsprechenden Softwarebefehl könne man die Router so konfigurieren, dass sie nicht mehr bekannt geben, wo welche Seiten zu erreichen sind. Damit könnten die Datenpakete ihren Adressaten nicht mehr erreichen. "Das ist dann so, als hätte man den Stecker gezogen." Anders als bei einer mechanischen Abschaltung sei davon aber der Datenverkehr, der einfach durchs Land zu anderen Zielen geleitet wird, nicht betroffen.