Fashion Week

Die Messen bringen Millionen in die Kassen Berlins

Immer noch lässt die Diskussion um die Bedeutung der Fashion Week Berlin im Vergleich zu den Modestädten Paris oder Mailand die Emotionen hochkochen. Die deutlichsten Worte fand dieses Mal die ansonsten sehr zurückhaltende "Vogue"-Chefredakteurin Christiane Arp.

"Schon im zweiten Absatz des Artikels stand so viel Scheiße, dass ich zu lesen aufgehört habe", kommentierte sie bei ihrer Rede anlässlich eines Modeempfangs einen Beitrag in einem Nachrichtenmagazin. Dieser beurteilte die Modewoche als "gescheitert".

Fest steht, dass die wirtschaftliche Bedeutung der vier Tage Modezirkus für die Stadt immens ist. Die Ansiedlung der verschiedenen Messen und Termine rund um die Schauen am Bebelplatz sind eine Erfolgsgeschichte. Alleine 90 000 ausgestellte Tickets für Fachbesucher in dieser Saison für die Bread & Butter. Das sind für diese Messe rund 10 000 Gäste mehr als in den vergangenen beiden Saisons. Die Besucher der größten Streetwear-Messe der Welt bringen bares Geld in die Stadt. Auch die zweite große Messe, die Premium, wächst ständig. Die Fläche für die Aussteller an der Luckenwalder Straße musste erneut um 3000 Quadratmeter erweitert werden. Gäste kommen zum Beispiel aus Italien, Frankreich oder Japan.

Luxus-Hotels gut gebucht

Die Hotels in der Stadt sind nahezu ausgebucht. Insgesamt spricht die Tourismus-Marketing Gesellschaft Visit Berlin von rund 200 000 zusätzlichen Schlafgästen für Hotelzimmer. "Die Stadt ist sehr, sehr gut gebucht. Man sieht, dass gerade die Fünf- und Viersternehäuser genutzt werden. Auch hier liegt die Auslastung bei 90 Prozent. Und das bei den sehr großen Kapazitäten, die die Berliner Hotellandschaft insgesamt zu bieten hat", sagt Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Hotelverbandes. Nicht nur die Hotels, auch die Catering-Firmen haben während der Modewoche eine arbeitsreiche Zeit. An zahlreichen Orten der Stadt finden Empfänge, Cocktail-Partys und Abendessen statt. Dieser Dienstleistungsbereich ist damit voll ausgelastet.

Auch für die Taxifahrer ist die Modewoche laut eigener Aussage "wie Ostern und Weihnachten an einem Tag". Rund 7000 Wagen sind im Dauereinsatz.

Pro Jahr bringt die gesamte Modewoche laut der Senatswirtschaftsverwaltung zwischen 140 und 180 Millionen Euro zusätzlich in die Stadt. "Die Fashion Week positioniert Berlin als Modemetropole und moderne Trendstadt. Verglichen mit anderen Veranstaltungen wie der Berlinale - die Berlin jedes Jahr rund 30 Millionen Euro an zusätzlicher Wirtschaftsleistung einbringt - setzt der Modebereich mit diesen Einnahmen Maßstäbe", sagt Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei).

Der wirtschaftliche Erfolg hat auch zusätzliche Auswirkungen auf weitere, sekundäre Wirtschaftsfaktoren der Stadt. Die breite kreative Szene profitiert von dem modischen Fokus auf Berlin. Ein gutes Beispiel dafür ist die Investition in die Ausbildung des kreativen Nachwuchses.

Zu Beginn der Modewoche verkündete die private Modeschule Esmod ihren Wechsel hin zu einer staatlich anerkannten privaten Kunsthochschule. Der Fokus der neuen Lehranstalt soll auf der Nachhaltigkeit liegen. Ab Oktober 2011 wird dort der erste Masterstudiengang mit dem Abschluss zum Master of Art angeboten. "Damit sind wir die einzige private Kunsthochschule für Mode in Europa", erklärt Silvia Kadolsky, Direktorin und Geschäftsführerin der künftigen Kunsthochschule.