Staatsbesuch von Hu Jintao

China trifft USA - Weltmächte auf Augenhöhe

Vom roten Teppich und dem festlichen Dinner seines Präsidenten für den Gast aus Peking hielt der aufgebrachte US-Bürger gar nichts. Würde er im Weißen Haus regieren, schimpfte der Mittsechziger, würde dieses Land wieder respektiert. "Jetzt lacht die Welt über uns." Vor allem die Chinesen, "die ihre Städte erneuern mit unserem Geld und ihren Arbeitsplätzen".

Gerade schicke sich Peking an, auch noch die Flugzeugindustrie und die daran hängenden Jobs zu kaufen. "Passen Sie mal auf, was mit Boeing in den nächsten fünf oder sechs Jahren passiert." Weil Peking seine Währung manipuliere, sollte Washington Chinas Exporte kräftig besteuern. Barack Obama wolle vor Hu Jintao niederknien und ihm die Füße küssen. Dabei sei die Lösung des Problems doch einfach. "Wenn wir nichts mehr aus China kaufen, wird deren Wirtschaft zusammenbrechen."

Donald Trump heißt der aufgebrachte Kommentator, er ist einer der Vorzeigeunternehmer der USA, und seine Meinung zum Besuch von Hu gab er auf dem konservativen Sender Fox zum Besten.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Das Weiße Haus wird sich nach dem Ende der mit demonstrativem Lächeln, eifrigem Händeschütteln, Hymnen und Salutschüssen begonnenen Staatsvisite anders äußern. Aber die mitunter in schiere Angst umschlagende Sorge vor Chinas Ambitionen eint Politik, Wirtschaft und Stammtisch in den Vereinigten Staaten. Aus amerikanischer Sicht hält China den Renmimbi künstlich niedrig, ignoriert geistiges Eigentum, versperrt US-Unternehmen den Zugang zum Markt und lässt das aggressive Regime Nordkoreas gewähren.

Obama, der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2009, sprach Chinas Umgang mit Liu Xiaobo, dem inhaftierten Friedensnobelpreisträger des Jahres 2010, schon bei der Begrüßung vor dem Weißen Haus indirekt an, indem er sagte, die "Welt ist gerechter, wenn die Menschenrechte geachtet werden". Hu antwortete, indem er die "tiefe Freundschaft" zwischen beiden Ländern und der Wahrnehmung gemeinsamer Verantwortung beschwor. Er hoffe auf "positive, kooperative und umfassende Beziehungen", basierend auf wechselseitigem Respekt vor den jeweiligen Interessen. Das war eine so freundliche wie klare Absage an jegliche Einmischung der USA. Schon im Vorfeld hatte Hu in Interviews ein vom Dollar dominiertes Weltwährungssystem als "Produkt der Vergangenheit" bezeichnet und indirekt die US-Notenbank kritisiert, die durch den Kauf von eigenen Staatsanleihen den Dollar-Wert senkt.

China verteidigt seinerseits die niedrige Bewertung des Renmimbi. Bei einem höheren Kurs würden Exporte einbrechen und unzählige Fabriken ihre Arbeiter entlassen müssen. Hu bemüht sich bei seinem Washington-Besuch um eine Begegnung auf Augenhöhe. US-Diplomaten stellen die politische, wirtschaftliche wie militärische Macht Chinas nicht infrage. Doch dieser Tage sagten anonyme Mitarbeiter des Weißen Hauses der "New York Times", Hu selbst könne "der schwächste Führer der kommunistischen Ära" sein.

Henry Kissinger, der 1972 durch ein Treffen mit Mao den ersten Staatsbesuch von Präsident Richard Nixon in Peking vorbereitete, warnte in der "Washington Post" vor einem "kalten Krieg" zwischen China und den USA. Das Problem bestehe in einer unterschiedlichen Wahrnehmung. Während die USA den Aufstieg Chinas als Abkehr von der gewohnten Weltordnung begriffen, sähe sich China in einer Rückkehr zu alter Geltung, die lediglich für rund 200 Jahre unterbrochen worden sei.