Dioxin-Skandal

Die Berliner Supermärkte prüfen noch

Seit Tagen ist von gesperrten Höfen, unappetitlichen Tierfutterbeimischungen und wütenden Bauern die Rede. Aber wer hat die Eier und das Fleisch verzehrt, die mit Dioxin verseucht sind? Eine Umfrage unter Einzelhändlern und Nahrungsmittelunternehmen fördert ähnliche Reaktionen zutage. "Bislang nicht" betroffen heißt es, oder "derzeit nicht" oder "nach derzeitigem Kenntnisstand nicht".

"Nach allem, was wir wissen, ist Edeka nicht betroffen", sagt Andreas Laubig, Sprecher von Edeka Hannover Minden. Zu dem Unternehmen gehören auch die Edeka- und Reichelt-Märkte in der Hauptstadt. Laubig räumt ein, dass diese Einschätzung nur vorläufig sein kann. "Man weiß ja von ähnlichen Vorfällen in der Vergangenheit, dass die Dimension manchmal nicht sofort in ihrer ganzen Größe bekannt wird", sagt er.

Der Mülheimer Handelskonzern Tengelmann, dem auch die Kaiser's-Märkte in Berlin gehören, sieht sich vom Dioxin-Skandal nicht betroffen. "Unsere Lieferanten wurden überprüft. Sie haben keine Eier oder Fleisch von jetzt gesperrten Höfen bezogen", sagt eine Sprecherin. Auch Rewe-Kunden müssen nach Auskunft des Unternehmens nichts befürchten. "Nach allen uns vorliegenden und verfügbaren Erkenntnissen ist die Rewe Group für ihre Eigenmarken-Eier von keinem der Legebetriebe beliefert worden", sagt ein Sprecher. Bei Fleisch wird noch geprüft. "Derzeit prüfen wir, ob und in welchem Umfang weitere Produkte wie Schwein oder Pute betroffen sein könnten. Die entsprechenden Lieferanten wurden zur Stellungnahme aufgefordert", so der Rewe-Sprecher.

Ähnliche Reaktionen gibt es von großen Nahrungsmittelherstellern. Der Nudelproduzent Birkel lässt mitteilen: "Von unseren Lieferanten wurde uns bestätigt, dass die von uns eingesetzten Eier nicht aus Betrieben stammen, die mit Dioxin kontaminiertes Hühnerfutter eingesetzt haben." Auch der Bielefelder Nahrungsmittelriese Oetker hat bislang "saubere" Lieferanten, die ihrerseits nichts von gesperrten Höfen bekommen haben. Der Markenriese Unilever ließ ebenfalls seine Lieferanten überprüfen. "Nach derzeitigem Kenntnisstand haben wir keine Rohware von gesperrten Höfen erhalten", sagt ein Unilever-Sprecher. Unilever besitzt bekannte Marken wie "Du darfst", Knorr und Pfanni.

Dafür räumt der Großschlachter Tönnies aus Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen ein, dass ein Lieferant nun gesperrt worden sei. "Wir haben von einem Schweinemastbetrieb, der jetzt gesperrt ist, Fleisch bezogen", sagt Josef Trilling, Chef des Qualitätsmanagements bei Tönnies. Er geht davon aus, dass der Betrieb bald wieder freigegeben werde. "Die Dioxin-Konzentration in Schweinen ist geringer als bei Eiern und Geflügel."

Die Überprüfung neuer Höfe dauert an. Auswertungen und Zahlen werden nach und nach in den kommenden Tagen erwartet. Der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) will heute weitere Analysedaten bekannt geben. Auch in Niedersachen werden Ergebnisse erwartet.