Terror

Das mulmige Gefühl im Hauptbahnhof

Im Hotel Adlon am Pariser Platz ist nichts davon zu spüren, dass die USA und mittlerweile auch Japan ihre Bürger dazu aufgerufen haben, bei Reisen in Europa besonders vorsichtig zu sein. "Zum Glück gab es bislang noch keine Stornierungen", sagte Adlon-Sprecherin Sabina Held gestern.

Der US-Sender Fox hatte am Wochenende unter Berufung auf westliche Geheimdienstquellen berichtet, dass islamische Terroristen Anschläge auf Berliner Sehenswürdigkeiten wie den Fernsehturm am Alexanderplatz, den Hauptbahnhof und das Hotel Adlon am Brandenburger Tor vorbereiten würden.

"Unsere Geschäftsleitung steht in engstem Kontakt zu den deutschen Sicherheitsbehörden", so die Adlon-Sprecherin weiter. "Und nach deren übereinstimmender Aussage gibt es keinerlei Hinweise auf eine aktuelle Gefährdungslage in unserem Haus." Dennoch habe man im Interesse der Gäste gehandelt. "Wir haben unsere Sicherheitsmaßnahmen im und vor dem Gebäude verstärkt und das Personal zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen", so die Hotel-Sprecherin.

Auch am Berliner Hauptbahnhof war gestern, anderes als bei der Bundestagswahl vor einem Jahr, keine besondere Präsenz der Bundespolizei spürbar. Damals war ein gegen Deutschland gerichtetes Drohvideo aufgetaucht. Die Terrororganisation al-Qaida hatte darin den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan gefordert - verbunden mit der Warnung, dass Deutschland sonst nach der Wahl "ein böses Erwachen" drohe. Tagelang patrouillierten Bundespolizisten daraufhin in Schutzwesten mit Maschinenpistolen an den Berliner Flughäfen und am Hauptbahnhof.

"Unsere Mitarbeiter sind besorgt, auf der al-Qaida-Terrorliste zu stehen sorgt natürlich für ein mulmiges Gefühl", sagt Toni Brentrup vom Modegeschäft Gerry Weber im Hauptbahnhof. Zwar habe man schon mehrfach miterlebt, wie Teile des Hauptbahnhofs geräumt werden mussten, weil eine vermeintliche Kofferbombe entdeckt wurde, die sich dann glücklicherweise doch immer als vergessenes Gepäckstück herausstellte. "Aber diesmal ist es schon anders, irgendwie konkreter", so Brentrup, der auch Sprecher der Werbegemeinschaft Hauptbahnhof ist. Allerdings habe man von der Terrorgefahr bislang nur aus den Medien erfahren: "Uns hat noch niemand aufgefordert, besonders wachsam zu sein", so der Geschäftsinhaber. Auch das Center-Management der Deutschen Bahn habe sich noch nicht geäußert.

Bei der Deutschen Bahn will man zu den Reisewarnungen, die die US-Regierung an die Bevölkerung ausgegeben hatte, nicht direkt Stellung nehmen. Reisende US-Bürger waren aufgefordert worden, besonders bei Fahrten in der Bahn, U-Bahn sowie bei Flügen wachsam zu sein. "Die Bahn steht in ständigem Kontakt mit den Sicherheitsbehörden", so ein Bahn-Sprecher gestern lediglich. "Und nach deren Bewertung gibt es keinerlei Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Bedrohung durch Terroristen." Doch ganz ähnlich wie die Hoteldirektion im Hotel Adlon baut auch die Bahn jetzt auf die Verstärkung des eigenen Sicherheitssystems. "Wir setzen auf die hohe Präsenz eigener Sicherheitskräfte und den Einsatz von Überwachungstechnik, vor allem die Videoüberwachung", so der Bahnsprecher weiter. Zudem habe man sämtliche Mitarbeiter im Hauptbahnhof noch einmal "sensibilisiert". An den deutschlandweit 5700 Bahnhöfen sei das Personal ohnehin schon zu besonderer Aufmerksamkeit gegenüber herrenlosen Gepäckstücken angehalten. "Rund 50 bis 60 Mal im Monat kommt es deshalb auf unseren Bahnhöfen zu Einsätzen der Bundespolizei", so der Bahnsprecher. Der jüngste Einsatz am Berliner Hauptbahnhof erfolgte erst am vergangenen Sonnabend. Dort mussten die Beamten mit einem mobilen Röntgengerät anrücken, um eine vergessene Reisetasche zu durchleuchten.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bemühte sich gestern, übertriebenen Ängsten entgegenzutreten: "Die Berliner Verfassungsschutzbehörden und die Polizei haben keine eigenen Erkenntnisse über Gefahren durch mögliche Terroristen", sagte Körting. Und nach den Erkenntnissen der Bundespolizei gäbe es keine Veränderung der Gefährdungsbewertung. "Es besteht daher kein Anlass, die ohnehin erhöhten Sicherheitsstandards in Berlin nochmals zu erhöhen."