Dauerausstellung

Gedenkstätte im Ex-Stasi-Gefängnis wird erweitert

Die Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen wird um eine Dauerausstellung und ein modernes Informationszentrum für die jährlich 350 000 Besucher erweitert. Der Umbau im ehemaligen zentralen Stasi-Untersuchungsgefängnis an der Genslerstraße 66 soll im April 2011 beginnen und im November 2012 beendet sein.

Bund und Land Berlin teilen sich die Investitionssumme von insgesamt 16,26 Millionen Euro, darunter 3,16 Millionen Euro allein für die Gestaltung der Ausstellung. Bei der Präsentation der Pläne sprach Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz gestern von einem "Signal zur intensiveren Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der DDR".

Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe versicherte: "Wir werden die Authentizität und den bedrückenden Charakter des Ortes erhalten." Die 160 Zellen und 120 Verhörzimmer sowie der unterirdische Zellentrakt - U-Boot genannt - blieben daher nahezu unangetastet. Der Umbau sei keine leichte Aufgabe, so Knabe, denn das Stasi-Gefängnis sei ja nicht dafür gebaut worden, Hunderttausende Besucher zu empfangen. Deshalb habe sich der Stiftungsrat der Gedenkstätte dafür entschieden, ein künftiges Museum quasi im Gefängnis zu "verstecken".

Das Stuttgarter Architektenbüro Hans-Günter Merz - aktuell auch für den Umbau der Berliner Staatsoper zuständig - hatte 2008 im Rahmen eines Wettbewerbs den Zuschlag für die Erweiterung der Gedenkstätte wegen seines "sensiblen Umgangs mit der alten Bausubstanz" erhalten. "Exponat Nummer eins bleibt der Gebäudekomplex", sagte Merz. Die 700 Quadratmeter große Halle für die Ausstellung zur Geschichte des Stasi-Gefängnisses und der Justizwillkür in der DDR aus der Sicht der Opfer wird in einem ehemaligen Materiallager des ältesten Gebäudes der Haftanstalt entstehen. Knabe: "Wir haben mittlerweile von ehemaligen Häftlingen auch viele persönliche Zeitzeugnisse erhalten." Geplant sind viele Projektionen und Räume für Wechselausstellungen.

In einem weiteren separaten Teil wird das Wirken des Personals des Gefängnisses - also die Welt der Täter - dargestellt. Historische Zonen wie der frühere Befehlsbereich werden künftig über einen Steg erschlossen, um die authentischen Fußbodenbeläge zu schützen. Fahrstühle werden eingebaut. In einstigen Garagentrakten entstehen ein Besucherfoyer, Café und Museumsshop, eine Bibliothek, Seminar-, Veranstaltungs- und Kinoräume.

Schmitz kündigte an, dass für den weiteren Umbau der Gedenkstätte mittelfristig bereits 8,7 Millionen Euro fest eingeplant seien, so für die Sanierung des alten Häftlingskrankenhauses. Nach Eröffnung der Dauerausstellung sollen auch individuelle Rundgänge möglich sein, sagte Knabe. Bislang kann die 1994 gegründete Gedenkstätte aus Sicherheitsgründen nur per Führungen besichtigt werden, die von ehemaligen Häftlingen geleitet werden.