Hochwasser

"Es wird in Brandenburg schlimmer als erwartet"

In Brandenburg nahm die Alarmstimmung im Laufe des Sonntags deutlich zu: Zu Mittag vermeldete das Innenministerium noch, es werde trotz des verheerenden Hochwassers in Sachsen mit keiner dramatischen Lage an den Flüssen in der Mark gerechnet.

Am späten Nachmittag war es mit der anfänglichen Ruhe jäh vorbei. "Es wird schlimmer als erwartet", verkündete dann der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Denn der Pegel im sächsischen Görlitz sank nicht wie erwartet, sondern blieb weiterhin dramatisch hoch.

Kein anderer als er weiß in Brandenburg besser über die Lage an den Flüssen Bescheid als Matthias Freude: Die Biologe gilt seit Jahren als "Herr der Deiche". Er scheint jede Schwachstelle zu kennen in den zahlreichen Schutzwällen vor der Flut. Und einige Schwachstellen gibt es immer noch, obwohl die meisten Deiche mittlerweile jeder Gefahr standhalten dürften. Seit den großen Hochwassern 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe baute das Land für 220 Millionen Euro 163 Deichkilometer neu.

Vor allem die verheerende Oder-Flut 1997 ist in Erinnerung geblieben. Damals schwemmte das Wasser den Damm in der Ziltendorfer Niederung nördlich von Eisenhüttenstadt gleich zweimal weg. Fast 300 Häuser versanken. Der Gesamtschaden belief sich auf etwa 330 Millionen Euro. Vergleichbar gering war dagegen der Schaden durch das Oder-Hochwasser in diesem Jahr. Denn dieses Mal hielten die Deiche. Die Flutung von Polderflächen kostet die Landwirte in der Uckermark laut Umweltministerin Anita Tack (Linke) rund 2,3 Millionen Euro. Anträge auf Schadenersatz lägen der Landesregierung bislang nicht vor. Die Gebiete wurden überflutet, um Schäden an den Flutungsbauten und Deichbrüche zu vermeiden. Der Krisenstab der Stadt Frankfurt an der Oder legte inzwischen auch seine Bilanz vor. Darin bezifferte er den Schaden auf etwa 850 000 Euro. Dazu kämen 70 000 Euro an Personal- und Sachkosten.