Landeswahlen

Die Schwäche der Berliner CDU: Es fehlt der Reiz des Neuen

Was hat die Berliner CDU nicht alles versucht: Sie hat die internen Konflikte einigermaßen befriedet, sich die Förderung der grünen Industrien auf die Fahnen geschrieben, ein liberales Integrationskonzept verabschiedet.

Aber trotz allem ist es ungewiss, ob die Wähler der von Frank Henkel als Landes- und Fraktionschef geführten Union ihre Anstrengungen danken. Das Bild in den Meinungsumfragen ist irritierend. Forsa sieht die CDU nur noch bei 17 Prozent, weit abgeschlagen hinter SPD und Grünen. Infratest Dimap ermittelte Anfang Juni 25 Prozent für die CDU und setzte die größte Oppositionspartei damit gleichauf mit der SPD und zwei Punkte vor den Grünen.

Dennoch steht die CDU vor einem Dilemma. Sollte es wirklich zu einem Showdown zwischen Renate Künast und Klaus Wowereit kommen, wird dieses Duell die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Union, die zudem mit einem eher aus der Verlegenheit geborenen Spitzenkandidaten Frank Henkel antreten dürfte, käme im Kampf der Alphatiere kaum vor. Ein anderer Kandidat als der 46-jährige Henkel, der zunächst als Verfechter einer Law-and-Order-Innenpolitik bekannt wurde, ist in Berlins CDU nicht in Sicht. Und dass sich von außen jemand findet, glaubt nach den frustrierenden Erfahrungen des letzten Importes Friedbert Pflüger niemand.

Weil gleichzeitig die FDP extrem schwächelt und in den Umfragen an der Fünfprozenthürde kratzt, bleibt das klassische bürgerliche Lager von einer Regierungsmehrheit weit entfernt. Schwarz-Grün als großstädtische Koalitionsversion wie in Hamburg hatte auch schon einmal mehr Sex-Appeal als in diesen Tagen.

Programmatisch stehen vor allem in der Innen- und Verkehrspolitik große Hürden einer Annäherung der CDU mit den Grünen im Wege. Deswegen fürchten sie in der Union, dass eine durch den Reiz des Neuen getragene mögliche Regierende Bürgermeisterin Renate Künast auch für eigene Anhänger eine mögliche Wahlalternative wäre.