Finanzkrise

Soll man sein Geld jetzt von der Bank abheben?

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M. Fabricius, M. Höfling, F. Stocker und H. Zschäpitz

Foto: ddp / DDP

Der größten Rettungsaktion für eine Bank in Deutschland folgte am Montag der größte Punkteverlust des Dow Jones. Der schwarze Montag war perfekt. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen für Sparer.

Sollte ich jetzt alle Aktien verkaufen? Und sind bestimmte Branchen besonders getroffen?

"Wer sein Vermögen gut gestreut und einen bestimmten Teil davon im Aktienmarkt hat, sollte auf keinen Fall verkaufen", rät Markus Zschaber, Fondsmanager der VMZ. "Das Verhalten gerade institutioneller Anleger in der aktuellen Situation straft oft die guten Werte einer Branche mit ab." Diese Aktien würden sich, wenn sich die Lage etwas beruhigt, vermutlich schnell wieder erholen. "Liquidität ist ja da, sie wird aktuell nur zurückgehalten."

Meiden sollten Anleger zurzeit Werte mit hohem Verschuldungsgrad und hoher Abhängigkeit vom Kreditmarkt. Selbst halbwegs solide Unternehmen können im aktuellen Umfeld schnell in eine Finanzierungsklemme geraten. Die im Zuge der angespannten Situation auf dem Interbanken-Geldmarkt höheren Risikoaufschläge führen zu höheren Zinskosten. Relative Stärke zeigten im Dax im 52-Wochen-Vergleich etwa die Aktien von Fresenius Medical Care, Bayer oder Merck.

Soll ich mein Geld jetzt von der Bank abheben?

Nein. Aus früheren Finanzkrisen haben Staat und Wirtschaft gelernt und daher in Deutschland ein sehr sicheres Einlagensicherungssystem aufgebaut. Grundsätzlich müssen alle in Deutschland tätigen Banken Mitglied in einer Entschädigungseinrichtung sein, die 90 Prozent der Kundeneinlagen, maximal 20 000 Euro pro Kunde, garantiert. Zusätzlich sind alle größeren Privatbanken Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungsfonds, den es seit der Pleite der Herstatt-Bank im Jahr 1976 gibt.

Dabei sind für jeden einzelnen Kunden Einlagen bis zu einer Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des jeweiligen Instituts garantiert. Das wären bei der Deutschen Bank beispielsweise 7,5 Milliarden Euro, bei der Commerzbank 3,8 Milliarden Euro und bei der Postbank 1,2 Milliarden Euro. Bei Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken springen jeweils die anderen Institute der Gruppe ein. Und sollten all diese Garantien nicht reichen, so könnte auch der deutsche Staat noch einspringen, der in jedem Falle stark genug wäre.

Kann ich mein Geld in Ruhe bei jedem beliebigen Institut auf Tages- oder Festgeldkonten parken?

Viele ausländische Institute, die in Deutschland aktiv sind, garantieren bei Einlagen nur die gesetzliche Mindestsumme von 20 000 Euro. Wer also kein unnötiges Risiko eingehen möchte, sollte bei solchen Banken nicht mehr als diesen Betrag anlegen. Zusätzlich sollten sich Anleger informieren, wo die Bank beheimatet ist und welcher Einlagensicherungsfonds folglich gilt.

So haben beispielsweise die Credit Europe Bank, die Demir Halk Bank oder die Garantibank ihren Sitz in den Niederlanden, die Denizbank und die Vakifbank in Österreich und die Kaupthing Bank, die derzeit mit besonders guten Konditionen für Tagesgeld wirbt, kommt aus Island. Während die Niederlande und Österreich stark genug sein dürften, um auch die Pleite einer Bank abzufangen oder zu verhindern, ist dies bei Island mehr als fraglich. Das Land hat einen Staatshaushalt von gerade vier Milliarden Euro. Die Bilanzsumme der Kaupthing Bank allein beträgt rund 58 Milliarden Euro.

Was wird aus meiner Rente?

Die Finanzkrise frisst auch an der Rendite der staatlichen Rente. Zwar wird in Deutschland die öffentliche Rente nach einem Umlageverfahren organisiert, bei der die jüngere Generation für die älteren Rentenbezieher zahlt. Somit spielt die Lage an den Kapitalmärkten eigentlich keine Rolle.

Dennoch hängt die Rentenhöhe an der Lohnentwicklung. Schlechtere Kapitalmärkte bremsen tendenziell die Konjunktur, und dies ist nicht zuträglich für steigende Arbeitnehmerentgelte und damit die spätere Rente.

Was wird aus meiner privaten Vorsorge?

Versicherungen und Fondsgesellschaften agieren nicht auf einer Insel der Seligen. Sie legen die Beiträge der Kunden auch an den Märkten an, sodass die Krise Spuren hinterlässt. Einen Totalverlust der Ersparnisse muss aber wohl niemand fürchten. Anbieter einer Riester-Rente oder einer betrieblichen Altersversorgung müssen garantieren, dass zu Beginn des Ruhestands zumindest die bis dahin eingezahlten Beiträge im Spartopf vorhanden sind.

Bei Lebensversicherungen ist es komplizierter. Hier kommt es darauf an, ob der Sparer eine klassische Police abgeschlossen hat, für die es eine Garantieverzinsung von aktuell 2,25 Prozent gibt, oder aber, ob es sich um ein fondsgebundenes Produkt handelt. Bei Letzterem gibt es oftmals keinerlei Garantien.

Was passiert mit dem Immobilienkredit, wenn die Hypothekenbank kollabiert?

Für den einfachen Häuslebesitzer mit einem laufenden Immobilienkredit hat ein Kollaps ihrer Hypothekenbank oder ein Notverkauf ihres Darlehens keine Auswirkungen. Auch wenn der Vertragspartner ein anderer wird, ändert sich nämlich am Kreditvertrag nichts. Wenn der Kunde regelmäßig und pünktlich seine Raten zahlt, ist er während der Zinsbindung sicher.

Das kürzlich in Kraft getretene Risikobegrenzungsgesetz hat sogar noch einmal die Rechte der Kreditnehmer gestärkt. Danach müssen Banken ihre Kunden über einen Gläubigerwechsel informieren. Die Baufinanzierer dürfen Kredite nur noch dann kündigen, wenn der Kreditnehmer mit mindestens 2,5 Prozent der Darlehenssumme und zwei aufeinanderfolgenden Raten im Rückstand ist.

Wie teuer kommt mich als Steuerzahler das Hypo-Real-Estate-Rettungspaket?

Zur Sicherung der Liquidität haben Banken der Hypo Real Estate (HRE) 15 Milliarden Euro bereitgestellt, das Europäische Notenbanksystem 20 Milliarden Euro. Der Bund hat dafür eine Bürgschaft übernommen, und zwar in Höhe von knapp 27 Milliarden Euro. Der Bankenverband sichert die restlichen acht Milliarden ab. Zunächst ist das eine Bürgschaft, wie sie Eltern auch ihren Kindern geben, wenn diese einen Mietvertrag abschließen: Der Bund springt nur ein, wenn die HRE tatsächlich nicht mehr zahlen kann. "Die Übernahme der Bürgschaft ist nicht gleichbedeutend mit einer konkreten Übernahme von Verlusten. Der Bundeshaushalt wird laut Regierung die Garantie nicht belastet.