Ökologie

Der Klima-Kritiker

Stellen Sie sich vor, Sie wären PR-Berater eines Politikers. Welches Thema würden Sie ihm für den Wahlkampf empfehlen? Durchfall, Handelsschranken oder Klimawandel? Sie würden Ihren Kunden auch empfehlen, auf das Klima zu setzen.

- "Bekämpfung von Durchfallerkrankungen" klingt eklig. "Abbau von Handelsschranken" hört sich zu kompliziert an, außerdem macht man sich die Agrarlobby damit zum Feind. Klima dagegen ist wunderbar. Es vereint den Glanz der Weltrettung mit fernstmöglicher Nachprüfbarkeit.

Es gibt einen dänischen Statistikprofessor, den interessieren solche Erwägungen nicht. Er heißt Björn Lomborg, rechnet gern und geht der Frage nach, wie man mit Geld möglichst vielen Menschen helfen kann. In kürzester Zeit brachte es Lomborg mit seinen Thesen zum meistgehassten Kritiker aller grünen Ideologen zwischen San Francisco und Bad Boll. Seine Gegner werfen ihm Eitelkeit ("Ich will mich ja nicht mit Galilei vergleichen, aber es tut schon gut, recht zu haben") und einen "platten, vollkommen unpolitischen Fortschrittsglauben" (Die Zeit) vor. Lomborg wurde beschimpft, seine Argumente zur Unkenntlichkeit verdreht und jeder noch so nebensächliche Fehler in seinen Büchern zum Skandal aufgeblasen. Das Schrecklichste für seine Gegner ist allerdings: Lomborg bleibt cool. Er eifert nicht, er wird nicht wütend und hört zu. Der 43-Jährige ist Vegetarier, trägt Klamotten, mit denen er zu jeder Attac-Demonstration zugelassen würde und wirkt kein bisschen eingebildet. Eine harte Nuss für Rufmörder.

Lomborg stammt aus Frederiksberg nördlich von Kopenhagen und schloss 1991 sein Studium der Politikwissenschaft an der Universität Århus ab. Danach trat er eine Doktorandenstelle an der Universität Kopenhagen an, an der er 1994 zum Dr. phil. promovierte. Anschließend kehrte er nach Århus zurück, wo er 1997 zum Lektor befördert wurde und damit Professorenstatus erreichte. Der konservative Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen berief ihn 2002 zum Direktor des neu errichteten dänischen Institut for Miljøvurdering (Institut für Umweltbeurteilung). Im April 2004 erklärte ihn das Time Magazine zu einem der "100 einflussreichsten Menschen der Welt". 2004 ging er nach Århus zurück und nahm im folgenden Jahr eine Stellung an der Copenhagen Business School an.

In seinem Bestseller "The Skeptical Environmentalist" (deutsch: "Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln", 2002) greift Lomborg die Ansicht an, der allgemeine Zustand der Umwelt verschlechtere sich zunehmend. Ausgehend von statistischem Material versucht er zu beweisen, dass der Zustand der Umwelt sich verbessert habe und fordert daher, zum Beispiel weniger staatliche Gelder für die Klimapolitik zu verwenden.

In seinem 2007 erschienenen Buch Cool It! greift er primär die seiner Meinung nach übertriebene Darstellung der Folgen des Klimawandels an, die er zum Beispiel Politikern wie Al Gore, dem Weltklimarat IPCC oder auch Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace unterstellt.