Verkehr

Radfahrer machen mit der Aktion „Critical Mass“ mobil

Einmal im Monat gehören ihnen dann die Straßen

Als Radfahrer in Berlin hat man es nicht immer leicht - die Straßen sind zu vielen Zeiten überfüllt, der Belag ist zum Radeln oft ungeeignet und von Seiten der Autofahrer gibt es nicht immer genug Verständnis für die Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern. Doch an jedem letzten Freitag im Monat ändert sich das Spiel, und die Radfahrer haben für ein paar Stunden die Oberhand. Die Rede ist von der sogenannten Critical-Mass-Aktion.

In Berlin trifft sich die Critical Mass seit 1997 - zum Beispiel am letzten Freitag des Monats. Gemeinsam radeln die Fahrradfreunde durch die Stadt. Neben dem Spaß am gemeinsamen Radfahren hat die Critical Mass eine politische Orientierung: Sie steht für bessere Fahrradwege, mehr Toleranz gegenüber Fahrradfahrern. Das Web-Lexikon Wikipedia beschreibt „Critical Mass“ als „weltweite Bewegung in Form der direkten Aktion, bei der sich mehrere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer (hauptsächlich Radfahrer) scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Fahrten durch Innenstädte, ihrer bloßen Menge und dem konzentrierten Auftreten von Fahrrädern auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen“.

Ich hatte schon öfter von der Aktion gehört, bin aber bis vor Kurzem noch nie mitgefahren. Also habe ich mir ein paar Freunde geschnappt, und gemeinsam sind wir am 29. Mai um 20 Uhr zum Mariannenplatz in Kreuzberg gefahren. Beim Überqueren der Warschauer Brücke sind mir schon die ersten Mitstreiter aufgefallen, die mit ihren Rennrädern, neben dem mir mein alter Drahtesel völlig fehl am Platz erschien, die gleiche Route gefahren sind wie wir. Je näher wir dem Platz kamen, desto mehr Radfahrer waren zu sehen. Um 20 Uhr setzte sich dann die Masse von geschätzten 1000 Fahrradfahrern langsam in Bewegung. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich alle auf den Weg gemacht hatten. So hatte ich noch ein wenig mehr Zeit, die schicken Räder der anderen zu bewundern. Ein Bambus-Tandem hatte es mir besonders angetan und bevor ich es bemerkt hatte, waren wir auch schon durch den Tunnel am Alexanderplatz gefahren, am Brandenburger Tor vorbei und einmal um die Siegessäule.

Friedliche Bewegung

Was mich erstaunt hat: Alles ging reibungslos vonstatten, es gab keine Unfälle und auch kein Zerreißen der Masse. Nur zahlreiche Autofahrer hatten wenig Verständnis, hupten laut und regten sich auf, weil sie nicht weiterfahren konnten.

Mittlerweile konnte ich bereits den Funkturm sehen, und es begann zu dämmern. Bei Dunkelheit sah die Masse an Radfahrern noch schöner aus, weil alle ihre Lichter angemacht hatten. Wer weiter hinten radelt, weiß nicht genau, wo es hingeht - das entscheiden immer die, die vorneweg fahren. Als irgendwann das Backstein-Rathaus von Pankow zu meiner Linken erschien, beschloss ich, nach Hause zu fahren. Nach drei entspannten, friedlichen Stunden auf dem Fahrrad kann ich sagen: Critical Mass hat großen Spaß gemacht. Jeder, der ein Rad besitzt, kann am 26. Juni um 20 Uhr zum Mariannenplatz in Kreuzberg kommen und sich ein eigenes Bild machen. Ich jedenfalls werde auch wieder mitfahren ...

Paul Schneider, Klasse BG 14.4, Marcel-Breuer-Schule, Weißensee